Spielbericht

Pirna macht die Fehler - Nieder-Roden die Tore


Die Signale für einen Auswärtserfolg der Lok im hessischen Nieder-Roden standen im Vorfeld der Partie bei den "Baggerseepiraten" nicht gerade auf grün. Die Trainingswoche in Vorbereitung auf die schwere Auswärtshürde lief alles andere als optimal. Verletzungs- und krankheitsbedingt konnte Lokführer Hazl nicht mit voller Kapelle trainieren.

Eine Bus-Panne zwang die Mannschaft auf ihrer ohnehin schon langen Anfahrt in den Süden Frankfurts zu einem unfreiwilligen einstündigen Aufenthalt auf einem Autobahnrastplatz. "Eigentlich haben wir trotz solcher Vorkommnisse auf unseren Auswärtsfahrten letztlich gute Erfahrungen gemacht, weil wir am Ende meistens als Sieger das Parkett verlassen haben", versuchte Geschäftsführer Uwe Heller der Situation etwas Positives abzugewinnen. Zumal die Erinnerungen an die beiden Partien gegen die "Baggerseepiraten" aus Sicht der Elbestädter schließlich durchweg gute sind-ging die Lok beide Male als Sieger vom Parkett.

So wie sich die Hazl-Buben insbesondere in den ersten Minuten beim Tabellenzweiten Nieder-Roden präsentierten, schien Heller mit seinem Ausblick auf den Ausgang der Partie recht zu behalten. Die Pirnaer legten einen Blitzstart hin und führten nach sechs Zeigerumdrehungen mit drei Toren. Zu diesem Zeitpunkt hätte es jedoch das ein oder andere Tor mehr sein können. Chancen für eine höhere Führung lagen insbesondere für die beiden Lok-Außen sprichwörtlich auf dem Präsentiertablett. Die HSG Nieder-Roden machte es anschließend besser und schoss sich mit vier Toren am Stück in Front. Beide Teams begegneten sich auf Augenhöhe. Nach dem zwischenzeitlichen 7:9 durch Jiří Havlat nach 18 Minuten jedoch legte HSG-Trainer Alexander Hauptmann den grünen Karton auf den Tisch des Kampfgerichts, um sein Team neu einzustellen. Viel zu oft brachten die Schützlinge von Petr Hazl seine Mannen in Bedrängnis. Viel zu selten jedoch schlugen sie hieraus Kapital. Und so konnten die "Baggerseepiraten" mit einem 6:0-Lauf innerhalb von neun Minuten den Spieß umdrehen (13:9, 28.). Philipp Große und Dušan Miličević sorgten mit ihren beiden Treffern kurz vor der Pausensirene für den Anschluss und die Hoffnung auf mehr im zweiten Durchgang.

Doch den Elbestädtern wurde Hoffnung auf etwas Zählbares mit dem Wiederanpfiff just genommen. Die HSG setzte das erste Achtungszeichen in Hälfte zwei mit einem Treffer durch Timo Kaiser (14:11, 31.). Dušan Miličević blieb beim ersten Lok-Angriff ein klarer und fälliger Sieben-Meter verwehrt. Im Gegenzug erhielt Steffan Helbig eine fragwürdige Zeitstrafe-und so war die zweite Hälfte eigentlich schon vorbei, bevor sie richtig angefangen hatte. Den Hessen spielte das Geschehen in die Karten und mit dem HSG-Top-Torjäger Michael Weidinger trat nun mehr und mehr die Nieder-Rodener "Lebensversicherung" auf den Plan. Die technischen Fehler und Ballverluste in den Reihen der Lok mehrten sich und wurden mit schnellen Toren eiskalt bestraft. So dauerte es neun Minuten, ehe sich in Sachen Torerzielung wieder etwas Positives auf der Anzeigetafel tat. Doch zu diesem Zeitpunkt lagen die Hazl-Buben bereits mit sieben Buden im Hintertreffen und fanden nicht mehr so oft wie im ersten Spielabschnitt die richtigen Lösungen. Zwar blieben den Elbestädtern noch ganze zwanzig Minuten Zeit, um die Weichen auf einen besseren Spielausgang zu stellen. Doch fehlte den Mannen von Petr Hazl im Angriff zusehends die Durchschlagskraft, während das Spiel für den Gastgeber zu einem Selbstläufer zu werden schien. Der HSG gelang fast alles - der Lok fast nichts mehr.

Und so schraubten die "Baggerseepiraten" das Ergebnis vorzugsweise über die erste und zweite Welle in Person ihres zwölffach erfolgreichen Torjägers Michael Weidinger bis zum Endstand von 31:20 noch auf plus elf in die Höhe.

Niedergeschlagen trotteten die HSV-Akteure vom Parkett, im Wissen auswärts einmal mehr keine Punkte mit auf die Heimfahrt genommen zu haben. Und so steckten Steffan Helbig, Torsten Schneider und Co. auf der langen (pannenfreien) Rückfahrt in die Heimat die Köpfe auf der Suche nach den Ursachen zusammen. "Ich glaube, jeder hat gesehen, dass wir hier keine elf Tore schlechter waren", war sich Steffan Helbig sicher. "Wir trauern auch unseren eigenen Möglichkeiten nach, denn insbesondere im ersten Spielabschnitt hatten wir genug Chancen auf einen positiven Spielausgang", musste jedoch auch "Toto" Schneider zerknirscht feststellen.

"Wir haben den Gegner heute mit unseren Fehlern stark gemacht und es ihm ermöglicht, die beiden Zähler da zu behalten", war auch Geschäftsführer Uwe Heller enttäuscht ob des Spielausgangs.

Bis auf die Partie in Aschersleben waren die Elbestädter auswärts nie chancenlos. Bis jetzt fehlt dem Team von Petr Hazl einfach einmal ein Erfolgserlebnis auf fremden Parkett. "Die Jungs arbeiten jede Woche hart dafür", bescheinigt Lokführer Hazl seinen Mannen den unbedingten Willen und das Potential, auch auswärts endlich einmal den Bock umzustoßen.

So müssen sich Jiří Bouček und Co. über das nächste Heimspiel in der "Hölle-Ost" gegen die Youngsters des SC Magdeburg neben den zwei wichtigen Heimpunkten das nötige Selbstvertrauen holen, um anschließend auch einmal in der Fremde zu bestehen und erfolgreich zu sein.

HSV Lok: Percin, Michelsen, Möbius (1), Havlat (2), Gaube (1), Bouček (9/2), Miličević (5/1), Helbig, Ultsch, Große (1), Schneider (1)

Spielfilm: 0:3 (6.), 4:3 (9.), 5:6 (13.), 7:9 (18.), 13:9 (28.), 13:11 (HZ); 14:11 (31.), 19:12 (40.), 21:13 (42.), 21:15 (45.), 23:16 (47.), 27:17 (52.), 30:18 (57.), 3