Spielbericht

Stimmgewaltig, bunt und nah dran an einer Überraschung
HC Elbflorenz - HSV Lok Pirna Dresden 33:28 (16:14)


Sie waren nah dran und haben doch nicht geschafft - Die Pirnaer Ballwerfer konnten dem Favoriten aus der sächsischen Landeshauptstadt nach sechzig interessanten Handballminuten im Elbtal-Derby leider kein Bein stellen und zogen am Ende mit 33:28 den Kürzeren. So bleiben auch nach dem 18. Spieltag der Dritten Liga-Ost die beiden Serien der Derby-Kontrahenten konstant: Der Tabellen-Zweite aus Dresden wahrte seinen Heimnimbus, während die sächsischen Eisenbahner auswärts weiterhin sieglos bleiben.

Doch über weite Strecken der stimmungsvollen und fairen Partie war es eben nicht das Duell David gegen Goliath, sondern eher ein Spiel auf Augenhöhe. Den HCE-Tigern gehörten zwar die Anfangsminuten, die sie zu einer raschen 3:0-Führung nutzen. Doch angefeuert von abermals über 200 mitgereisten Anhängern der Eisenbahner fanden nun auch die Hazl-Buben mehr und mehr in die Partie. Die Lok-Sieben brachte sich mit Treffern von Torsten Schneider und Jiří Brecko in Spielminute sieben wieder auf 3:2 heran. Einem Rückstand liefen die Mannen von Lokführer Hazl bis Mitte der ersten Hälfte hinterher, ehe wiederum Jiří Brecko und sein Landsmann auf der Spielmacherposition Jiří Bouček mit einem Doppelschlag die Führung der Hausherren egalisierten. Nicht erst zu diesem Zeitpunkt gehörte die Energie-Verbund-Arena stimmungstechnisch der Gastmannschaft. Die Partie wogte in dieser Phase hin und her. Mit einem Strafwurf des ehemaligen Lok-Akteurs Jörg Reimann und einem zweifachen Torerfolg des am Ende mit 11 Treffern besten HC-Werfers Alexander Matschos brachten sich die Tiger zwar wieder mit drei Treffern in Front. Doch auch die Lok-Mannen blieben weiterhin griffig und nicht minder bissig im Spiel, schafften ebenso mit einem Tor von Martin Danowski vom Kreis und zwei Buden des einstigen HClers Vladan Kovanovic erneut den Ausgleich. Spannend und rassig war die Partie in den letzten Minuten des ersten Durchgangs. Die Lok war drauf und dran einen abermaligen 3:0-Lauf des HC auszugleichen, doch kurz vor der Pausensirene schaffte es erneut Alexander Matschos den Ball in den Pirnaer Maschen zu versenken, so dass mit einem 16:14 für die Pysall-Sieben die Seiten gewechselt wurden.

Die Pirnaer mit Anwurf im zweiten Durchgang vergaben ihre erste Chance zu einem Torerfolg - die Elbflorenzer indes nutzten im Gegenzug ihre erste Einwurfmöglichkeit durch Florian Gaida und setzten sich im Anschluss mit einem Treffer von Rico Göde erstmals mit vier Toren in Front (19:15, 36.). Doch auch hiervon ließen sich Torsten Schneider und Christian Möbius nicht beeindrucken und erzielten aus dem Rückraum zwei Lok-Treffer am Stück (19:17, 37.), was der Pirnaer Anhang auf den Rängen stimmgewaltig honorierte.

Doch allmählich schlichen sich im Spiel der Pirnaer peu à peu Fehler ein. Die sächsischen Eisenbahner mussten mit ihrem verbliebenem Stammpersonal der kräftezehrenden Partie Tribut zollen. Blieben die Lok-Mannen den Tigern bis zur 39. Minute (20:18) noch auf den Fersen, so glitt den Eisenbahnern das Spiel Mitte des zweiten Durchgang sukzessiv aus den Händen. Der kleine Fehlerteufel war es nun, der den roten Faden der Pirnaer reißen ließ. Im Bereich Attacke suchten die Hazl-Buben vermehrt zu früh den Abschluss, um zum Erfolg zu kommen. Die an die Substanz der Hazl-Mannen gehende Partie sorgte für mehr und mehr Unkonzentriertheiten .Diese wiederum mündeten in einer zehnminütigen Toreflaute bei den Eisenbahnern. Der Tabellenzweite, der mit einer breiteren Bank aufwarten konnte, nutzte in dieser Phase die sich ihm bietenden Gelegenheiten aus und schnürte den Sack mit sieben Toren in Serie zehn Minuten vor Ultimo zu. Die Gastgeber bauten ihren Vorsprung in der Folge gar auf zehn Treffer aus. Doch selbst diese Führung tat der Moral der tapfer und aufopferungsvoll kämpfenden Pirnaer Ballwerfer keinen Abbruch. Auch im Lager der Lok-Anhänger machte sich nicht etwa Resignation breit-ganz im Gegenteil. Auf dem Zahnfleisch kriechend mobilisierten die sächsischen Eisenbahner noch einmal alles. Und auch das zeichnet eben ein Team aus, welches im Kampf um den Klassenerhalt zusammen gewachsen ist. Genau diese Moral, dieser Einsatz war es, den die mitgereisten Fans der Eisenbahner über jede der sechzig Zeigerumdrehungen im Elbtal-Derby lautstark honorierten. Am Spielausgang selbst änderte sich zwar nichts mehr. Doch warfen sich die Lok-Buben mit insgesamt acht Treffern in den letzten Spielminuten noch zum 33:28-Endstand und bewiesen einmal mehr, dass sie auch mit dem Rücken zur Wand stehend niemals ans Aufgeben denken."Sicherlich ist heute in dieser Partie etwas drin, gewesen und auch insofern kann man mit der Leistung zufrieden sein", konstatiert Geschäftsführer Uwe Heller das Derby. "Dank unseres Kooperationspartners, dem HSV Dresden, konnten uns heute Nicolas Bula, Franz Meinelt und Robert Düsel unterstützen. Aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass uns gegenwärtig nur sieben von ursprünglich zwölf Stammspielern zur Verfügung stehen. Mit Dušan Miličević und Philipp Große fehlte unsere komplette erste Reihe auf den Außenpositionen. Zudem stand uns krankheitsbedingt auch Abwehrchef Steffan Helbig nicht zur Verfügung. Am Ende hat die Partie viel Kraft gekostet. Ich bin im Gesamten zufrieden, wie sich die Jungs hier präsentiert haben. Ich bin aber auch froh, dass sich die Verletztenliste nach dieser Partie nicht noch verlängert hat", gesteht Uwe Heller ein.

Auch Petr Hazl zeigte sich nicht unzufrieden: "Beim in eigener Halle noch ungeschlagenen Zweiten der Dritten Liga-Ost unter den Umständen eine solche Partie zu bieten, dafür haben sich meine Jungs ein großes Lob verdient. Es war zwar schade, dass wir das Derby nicht noch länger offen gestalten konnten, haben aber mit der richtigen Moral gezeigt, dass wir ein Team sind. Und als solches wollen wir auch im nächsten Heimspiel gegen Burgdorf II auftreten und uns die Punkte holen." "Es hätte sicherlich keiner damit gerechnet, dass wir das Spiel hier lange offen gehalten haben. Gegen den Tabellenweiten, der nicht zu Unrecht in dieser Region des Tableaus rangiert und zu Hause noch kein Spiel verloren hat, waren wir über weite Strecken ein ebenbürtiger Gegner. Auch im Namen der Mannschaft will ich mich da bei unseren vielen treuen Fans für den ununterbrochenen Support bedanken, ich schätze, das gibt es nirgendwo in dieser Liga, dass du so lautstark unterstützt wirst, selbst wenn du mit zehn Toren hinten liegst", ließ sich Abwehrrecke Torsten Schneider zu einem Kompliment in Richtung Pirnaer Fans hinreißen.

In der Tat: Auf der Platte blieb das Elbtal-Derby ein faires und interessantes Spiel. Auf den Rängen jedoch sorgten einige Anhänger der Hausherren für kollektives Kopfschütteln im Lager der sächsischen Eisenbahner. "Willst du Pirna oben sehen, so musst du die Tabelle drehen" - Die Spruchbänder der sogenannten HC-Fans kann man zwar gelassen unter der Rubrik Galgenhumor abhaken. Was den Lok-Fans jedoch beim Betreten der Gäste-Tribüne, die sich im Übrigen wieder in der letzten Ecke der Energie-Verbund-Arena befand, zu Augen trat, war an Hohn und Spott nicht mehr zu übertreffen. "Abstellgleis" und "Viel Erfolg in Liga 4" waren die sprichwörtlichen Entgleisungen, zu den denen sich die Anhänger der Landeshauptstädter hinreißen ließen. Mit Hirn, Herz und Verstand feuern echte Handballfans eigentlich ihre eigene Mannschaft an. Dass dies beim HC Elbflorenz anders aussieht, bewiesen die HCE-"Fans" auch im Hinblick auf die Choreografie aus der vergangenen Spielzeit wieder einmal auf unfaire, unsportliche und vor allem niveaulose Art und Weise. In der Dritten Liga-Ost und wohl auch in ganz Handball-Deutschland wird man als Gast-Fan nirgendwo so respektlos empfangen wie in der Energie-Verbund-Arena und vielleicht überlegen sich auch die Verantwortlichen des sportlich so erfolgreichen HC Elbflorenz, wie sie diesen Demütigungen gegenüber anderen Handball-Fans Einhalt gebieten können. In Bezug auf die Pirnaer Unterstützer füllten diese die Energie-Verbund-Arena zu mehr als einem Drittel und sorgten nicht zuletzt deswegen für echte Heimspielatmosphäre.Wie es richtig geht haben die über 200 zahlenden Fans der HSV Lok Pirna Dresden gezeigt: Bunt, stimmgewaltig, mit einer farbenfrohen Fahnen-Konfettiregen-Choreografie und vor allem ohne geringschätzige Spruchbänder und andere unsportliche Bekundungen haben die Lok-Anhänger ihr Team, trotz Niederlage!, von der ersten bis zur letzten Zeigerumdrehung unterstützt.

Und genau mit diesem Publikum im Rücken wollen die Jungs von Petr Hazl auch am kommenden Wochenende gegen die TSV Burgdorf II das Parkett der Sonnenstein-Arena betreten und am Ende mit dem richtigen Spielausgang verlassen - nämlich mit einem Sieg und zwei Punkten im Kampf um den Ligaverbleib.

HSV Lok: Weber, Dietze, Bula, Möbius (3), Düsel, Brecko (2), Havlat (1), Bouček (3), Schneider (6), Meinelt, Danowski (4), Kovanovic (9/4)
Spielfilm: 3:0 (6.), 3:2 (7.), 6:4 (11.), 8:8 (15.), 12:9 (21.), 12:12 (25.), 15:12 (27.), 15:14 (30.), 16:14 (HZ); 18:14 (35.), 19:17 (37.), 20:18 (39.), 27:18 (49.), 28:20 (52.), 31:21 (54.), 31:24 (57.), 32:27 (59.), 33:28