Spielbericht

Aufholjagd bleibt unbelohnt
SC Magdeburg Youngsters - HSV Lok Pirna Dresden 37 : 33 ( 21 : 14 )


Es ist kein gutes Pflaster, das altehrwürdige Parkett der Hermann-Gieseler-Halle in Magdeburg. Auch im neuerlichen Duell gegen die Bundesliga-Reserve des SCM gingen die Pirnaer Ballwerfer am Ende leer aus. Die Partie gegen Tabellen-Zweiten aus der Domstadt verloren die Hazl-Buben, nach einem ebenso torreichem Spiel wie im Aufeinandertreffen in der Hinrunde, letztlich mit 37:33. Mit diesem Ergebnis bleibt die Handballspielvereinigung Lok Pirna Dresden vorerst weiterhin Vorletzter der Dritten Liga-Ost.

Die bloße Tabellensituation betrachtet hätte wohl nur ein kühner Optimist damit gerechnet, dass der Vorletzte der Tabelle gegen die in heimischer Halle noch ungeschlagenen SCM-Jungspunde etwas reißen würde. Doch allen Unkenrufen zum Trotze gingen die sächsischen Eisenbahner mit einer gehörigen Portion Mut in das Duell gegen eines der offensivstärksten Teams dieser Liga. Den ersten Treffer in der Partie verbuchten die Lok-Mannen und blieben auch in der Folge auf Augenhöhe mit ihrem Kontrahenten. Bis Mitte des ersten Durchgangs lieferten sich beide Teams einen offenen Schlagabtausch, in dem die Jungs von Lokführer Petr Hazl stets mit einem Tor in Führung lagen. Nach dem 9:9-Ausgleichstreffer des SCM und einem Doppelschlag durch den Magdeburger Vincent Sohmann gingen die Gastgeber aus der Börde dann erstmals mit zwei Toren in Front. Ein Pirnaer Team-Timeout und zwei Lok-Treffer durch Christian Möbius und Vladan Kovanovic im Anschluss egalisierten die Führung der Gastgeber (11:11, 17.). Doch in der Folge sollten die Hausherren des Öfteren zu eher einfachen Toren gelangen, weil die Lok-Mannen drauf und dran waren, ihr Konzept, welches bis dahin Früchte trug, über Bord zu werfen. In Kontersituationen bekamen die Eisenbahner dann insbesondere in Persona der beiden Gebala-Brüder einfache Gegentreffer eingeschenkt, die es den Youngsters ermöglichten bis zur Pause auf ganze sieben Treffer davon zu ziehen. So ging es mit einer klaren 21:14-Halbzeitführung für die Domstädter in die Kabinen zur Pausenansprache.

Ob der Tabellen-Zweite im Gefühl der sicheren Führung und des Spielverlaufes einen dicken Haken hinter die Partie gemacht hatte? Die beiden ersten Treffer im zweiten Spielabschnitt durch Jiří Havlat und Martin Danowski jedenfalls waren die richtige Kampfansage der Pirnaer, die Partie nicht einfach so aus den Händen geben zu wollen. Und in der Tat - obwohl die Magdeburger ihren Widersacher stets auf Distanz hielten - die Lok-Jungs ließen sich nicht so recht abschütteln. Und so war der Abstand für den SCM nur ein trügerischer Moment des sicheren Sieges. Obwohl insbesondere der 2,13 Meter-Hüne Tomasz Gebala, der von der Deckung der Gäste oft zu spät an seinem Vorhaben Tore zu erzielen, gehindert wurde, ganze dreizehn Mal die Harzkugel im Pirnaer Kasten versenkte; Vladan Kovanovic und seine Mannschaftskameraden hatten stets die richtige Antwort parat. Die Gäste aus dem sächsischen Elbtal spielten nun wieder ihren Stiefel und brachten sich merklich und allmählich in Schlagdistanz. In Minute 50 lagen die Gastgeber noch mit fünf Toren in Führung, doch unbeirrt und zielsicher nutzten die Eisenbahner nun die sich bietenden Chancen. Aus einem 33:28 machten Martin Danowski, Vladan Kovanovic und Jiří Bouček ein 34:32. Die Hazl-Buben waren nun am Zug und drauf und dran der Partie die Wende zu geben. Selbst nachdem SCM-Coach Bennet Wiegert mit dem grünen Karton auf dem Tisch des Schiedsgerichtes seiner Mannschaft nochmal die Leviten las - Pirna antwortete prompt mit dem nächsten Treffer. Beim 34:33 für die Hausherren stand die Partie Spitz auf Knopf. Doch wie so oft im Sport ist es gerade in solch einer Phase so, dass die Mannschaft, die oben steht, das glücklichere Ende für sich behält. Und leider sollte es auch dieses Mal so sein.

Die Möglichkeiten für einen positiven Spielausgang für die Lok-Mannschaft waren da. Die Wende, sie war zum Greifen nah. Doch was die Pirnaer Ballwerfer im Angriff nicht vollbrachten, schafften die Youngsters mit ihren letzten Bemühungen, den Sieg einzutüten. Einmal mehr der baumlange Tomasz Gebala und der flinke Vincent Sohmann, welche zusammen mehr als die Hälfte der Magdeburger Treffer gegen die Eisenbahner erzielten, waren es, die den Deckel dann endgültig auf die Partie machten. Ein letztes Team-Timeout durch Lok-Trainer Petr Hazl zwei Zeigerumdrehungen vor dem Ende brachte seinen Mannen keinen Nutzen mehr. Nach einem aufopferungsvollen und beherztem Kampf um zwei Drittliga-Punkte verließen die Pirnaer Ballwerfer zwar geschlagen, aber erhobenen Hauptes das Parkett der Hermann-Gieseler-Halle und senden trotz Niederlage ein richtiges Zeichen. "Was wir in unserer Situation, trotz Verletztenmisere und angeschlagener Spieler heute hier heraus geholt haben, davor ziehe ich meinen Hut", stellt Geschäftsführer Uwe Heller seiner Mannschaft ein gutes Arbeitszeugnis aus. "Ich hätte mich riesig gefreut, wenn die Jungs heute einmal die Lorbeeren für ihr couragierte Auftreten hätten ernten können, das wäre in dieser Lage auch einmal der richtige Balsam für das Selbstvertrauen gewesen" trauert Heller dem Spielausgang hinterher.

Auch Geburtstagskind Steffan Helbig hätte sich zur Feier des Tages ein anderes Ergebnis gewünscht: "Wahrscheinlich würde man als Außenstehender bei der Tabellenkonstellation so ein Ergebnis vor dem Anpfiff unterschrieben. Aber wenn man gesehen hat, was wir heute in die Waagschale geworfen haben, dass wir kurz davor waren, hier eine faustdicke Überraschung zu schaffen... Deswegen sind wir natürlich auch enttäuscht, dass die Partie eben nicht zu unseren Gunsten ausgegangen ist", gestand Helbig ein.

Am kommenden Wochenende gibt es dann endlich wieder ein Heimspiel für Helbig und Co. Zu Gast zum Sachsen-Derby in der Pirnaer Sonnenstein-Arena ist dann die SG LVB Leipzig. Mit dem gleichen Kämpferherz und dem stimmungsvollen Pirnaer Publikum im Rücken soll es dann endlich auch einmal wieder mit zwei Punkten klappen.

HSV LOK: Weber, Dietze, M., Bula (1), Möbius (5), Dietze, S. (1), Havlat (4), Bouček (3), Helbig. Große (3), Danowski (4), Kovanovic 12 (6)
Spielfilm: 0:1 (1.), 3:2 (5.), 5:6 (9.), 8:9 (14.), 11:9 (16.), 11:11 (17.), 13:12 (19.), 18:12 (26.), 21:14 (HZ); 21:16 (32.), 24:17 (36.), 27:23 (42.), 30:25 (45.), 33:28 (50.), 34:30 (53.), 34:33 (57.), 36:33