Spielbericht

Erstes Erfolgserlebnis auf fremdem Parkett


Ganze 27 Spieltage hat es gedauert... 13 Partien auf fremdem Parkett vergingen ohne einen einzigen Erfolg, ehe drei Spieltage vor Saisonende der erste Auswärtspunkt auf das ohnehin so magere Pluspunktekonto der Handballspielvereinigung Lok Pirna Dresden wanderte. Und dieser Punktgewinn bei der HG 85 Köthen war mehr als verdient. Keine einzige Führung über 60 Minuten hat das Rumpfteam von Lokführer Petr Hazl den Gastgebern aus der Bachstadt gewährt, führte zwischenzeitlich sogar mit sieben Treffern. Und alle die es mit den Pirnaer Ballwerfern halten mussten sich schon weit zurück erinnern auf der Suche nach einem Erfolg in fremder Halle. Doch das Parkett der Heinz-Fricke Sporthalle in Köthen scheint für die Elbestädter kein schlechtes zu sein. Im letzten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften machten die sächsischen Eisenbahner bereits in der ersten Hälfte alles klar, führten rasch mit 6:0 und brachten anschließend die beiden Zähler nach Hause.

All zu einfach sollte dieses Unterfangen diesmal nicht werden, zumal die Voraussetzungen ganz andere waren. Trainer Hazl konnte ob der Sperre von Torsten Schneider, der nach wie vor langen Verletztenliste und der Tatsache, dass Philipp Große bei der Zweiten der HSV Lok auf Torejagd ging, abermals nur auf einem kleinen Kader zurückgreifen. Doch zu verlieren gab und gibt es für die Elbestädter bekanntlich nichts mehr und so legten die zehn Lok-Buben los wie die Feuerwehr, führten nach sechs Minuten mit 5:1 und brachten ihr Vorhaben, heute nicht als Verlierer von der Platte zu gehen, unmissverständlich zum Ausdruck. Die Köthener machten mehr Fehler, als das Team von Petr Hazl, und diesmal waren es die Pirnaer, die die Unzulänglichkeiten Ihres Kontrahenten, insbesondere im ersten Abschnitt eiskalt ausnutzten. Spielmacher Jiří Bouček führte klug Regie und bewies auch von der Strafwurflinie Kaltschnäuzigkeit. Die Führung wuchs fünf Minuten vor der Pausensirene bis auf sieben Treffer an (8:15, 25.), weil die Gäste im Angriff mehr Durchschlagskraft zeigten, als die Bachstädter. Und auch in der Pirnaer Deckung wurde trotz des Fehlens von Abwehrchef Torsten Schneider ordentlich Beton angerührt. Überdies trug Nick Weber seinen Teil dazu bei, dass die HG Köthen bis zum Halbzeit-Pfiff nur auf zwölf Treffer kam. So stand es beim Schellen der Pausensirene 17:12 aus Sicht der auswärts bis dahin noch sieg- und punktlosen Gäste.

Auch nach dem Pausentee sollte sich erst einmal nicht viel ändern. Die Gastgeber kamen zwar mit mehr Druck aus der Kabine, doch bis zur 45 Minute wahrten die Hazl-Mannen den Fünf-Tore-Vorsprung. Allmählich jedoch machte sich bei den Elbestädtern auch der Kräfteverschleiß bemerkbar. Bei lediglich acht Feldspielern hatten die Hazl-Schützlinge nur ungenügend Zeit zur Regeneration und die sich in der Folge ergebenden Nachlässigkeiten konnten die Sachsen-Anhaltiner ihrerseits nutzen. Erst ab diesem Zeitpunkt war es ein Spiel auf Augenhöhe, weil die sächsischen Eisenbahner bis dahin genügend Dampf im Kessel hatten, um die HG auf Abstand zu halten. Die Uhr schlug 53:21, als die Gastgeber nach langer Zeit erstmals wieder gleich zogen (27:27). Die letzten Minuten waren dann noch einmal richtig spannend. Die Elbestädter gingen noch zwei Mal in Führung -die Köthener glichen noch zwei Mal aus. Es stand 29:29 (58.). Und als in der nervenaufreibenden Schlussphase durch ein Strafzeit gegen Jiří Havlat und einen Strafwurf-Pfiff alles gegen einen positiven Ausgang für die Lok sprach, trat HSV-Keeper Nick Weber noch einmal auf den Plan. Mit einer Glanztat vereitelte er erst den durch Sebastian Greß geworfenen Siebenmeter, um im Anschluss mit einer weiteren Parade den Nachwurf seines Gegenübers zu entschärfen. Und so konnten sich die zehn tapfer kämpfenden Hazl-Buben am Ende zwar ärgern, dass man einen zwischenzeitlichen Sieben-Tore-Vorsprung noch aus der Hand gegeben hat. Doch ob der schwierigen Umstände war es viel mehr die Freude über einen Punktgewinn auf fremden Parkett, welche den Lok-Jungs neben der Erschöpfung ins Gesicht geschrieben stand.

"Heute hat es endlich mit einem Erfolg geklappt, auch wenn wir hier die zwei Punkte mehr als verdient gehabt hätten, mussten wir der schwindenden Kraft in Halbzeit zwei etwas Tribut zollen. Wie sich das Team dann auch noch einer drohenden Niederlage stemmte, als das Spiel zu kippen drohte, war aller Ehren wert", bescheinigt Geschäftsführer Uwe Heller den Lok-Jungs ein gutes Zeugnis. Und so endet für die Pirnaer eine fast ewig dauernde Durststrecke ohne jeden Punkterfolg in fremden Gefilden. Sofern es für die Köthener nicht einen Weg über die Hintertür gibt, so steht mit dem 29:29-Unentschieden fest, dass es dieses Duell in der kommenden Saison auch in der Mitteldeutschen Oberliga geben wird. Für die Handballspielvereinigung stehen jetzt noch zwei Partien bis zum Saison-Ende aus. Am nächsten Wochenende geht es gegen die Beavers vom Dessau-Rosslauer HV noch einmal auswärts ran, ehe die Pirnaer Ballwerfer in zwei Wochen in der heimischen Sonnenstein-Arena auf den Northeimer HC treffen.

HSV Lok: Weber, Fietze, Bula (1), Möbius (4), Brecko (1), Havlat (4), Bouček (9/6), Kovanovic (4), Danowski (6), Maixner
Spielfilm: 0:1 (1.), 1:5 (7.), 3:8 (12.), 5:11 (18.), 8:15 (24.), 10:16 (28.), 12:17 (HZ); 13:17 (32.), 13:19 (35.), 16:21 (38.), 19:22 (42.), 19:24 (44.), 23:26 (50.), 25:27 (54.), 27:27 (54.), 28:29 (57.), 29:29