Spielbericht

Die Luft wird dünner - Auswärts weiter ohne Erfolg


"Auswärtssieg-Auswärtssieg" skandierten die 180 Zuschauer in der Wolfsburger Sporthalle BBS I nicht etwa, weil die HSV Lok Pirna Dresden ihren ersten Saison-Erfolg auf fremden Parkett feierte. Der MTV, der aufgrund des Haftmittelverbotes unfreiwillig aus seiner Heimspielstätte "Im Eichholz" ausziehen musste, verbuchte nach dem Sieg gegen den LVB Leipzig vor zwei Wochen schon den zweiten "Auswärtserfolg" in Serie. Die Elbestädter hingegen suchen nach der 23:19-Niederlage weiter nach dem Weg zurück in die Erfolgsspur und rutschten nach den Ergebnissen des Wochenendes auf Rang 14 und damit auf einen direkten Abstiegsrang ab.

Beim Aufeinandertreffen der beiden offensiv schwächsten Teams der 3. Liga-Ost war im Vorhinein kein hochkarätiger Handball-Leckerbissen zu erwarten. Kampf, Leidenschaft und Herz waren die gefragten Tugenden, um die Platte nach 60 Minuten als Sieger zu verlassen. Die Lok-Mannen, bei denen Spielmacher Jiří Bouček nach seiner Verletzung aus der Vorwoche schmerzlich vermisst wurde, legten besagte Tugenden zu Spielbeginn in die Waagschale und hatten damit Erfolg. Zehn Minuten waren absolviert und auf der Anzeigetafel leuchtete ein 6:2 für die Lok-Buben. Der an diesem Tag durchschlagskräftige Torsten Schneider, Dušan Miličević und Christian Möbius konnten sich bis zu diesem Zeitpunkt in die Torschützenliste eintragen und nährten die Hoffnungen auf den so sehr ersehnten ersten Auswärtserfolg dieser Saison. Nach einer MTV-Auszeit, zehn torlosen Lok-Minuten und dem 6:6- Ausgleich konnte Dušan Miličević seine Farben zwar wieder in Front werfen. Mehr und mehr jedoch reihten sich bei den Eisenbahnern technische Fehler und vergebene Torchancen aneinander und so verloren die Jungs von Trainer Petr Hazl den Spielfaden. Es passte es ins Bild, dass die Gastgeber aus Niedersachsen direkt mit der Pausensirene den Zwei-Tore-Vorsprung perfekt machten. Auch der Start in den zweiten Spielabschnitte verlief nicht gerade nach dem Geschmack des Lokführers Petr Hazl. Der Tabellenvorletzte aus Wolfsburg erhöhte den Tore-Abstand auf seinen sächsischen Konkurrenten mit dem ersten Angriff auf drei Treffer. Diesem Rückstand rannten die Elbestädter in Halbzeit zwei permanent hinterher. Der Abschlussschwäche der Niedersachsen und dem gut parierenden Mario Percin im Pirnaer Kasten war es zu verdanken, dass die Hausherren den Vorsprung bis Mitte des zweiten Durchgangs nur auf vier Tore ausbauen konnten (16:12, 40.).

Mit dem fortan auf Halbrechts agierenden Falk Gaube erfreute sich das bis dato ideenarme Lok-Angriffsspiel ein wenig mehr Durchschlagskraft. Zweimal in Folge konnte Gaube nur unfair am Torabschluss gehindert werden. Die fälligen Strafwürfe verwandelte Dušan Miličević zum zwischenzeitlichen 17:15 (46.) souverän. Kurze Zeit später riss Falk Gaube selbst die Arme in die Luft, um seinen 17:16-Anschlusstreffer zu bejubeln. Die beiden Unparteiischen aus Blomberg jedoch versagten dem Pirnaer sein persönliches Erfolgserlebnis, weil sie ein Foul der Vorsfelder ahndeten. Ob des verfrühten Pfiffs entschuldigte sich das Schiedsrichtergespann bei den Elbestädtern, deren Aufholjagd damit ein jähes Ende erfuhr. Eine ähnliche Aktion, die Torsten Schneider mit einem Heber über MTV-Keeper Christian Rüger zum Torerfolg abschloss, bewerteten die beiden Unparteiischen kurze Zeit später ebenfalls mit fehlendem Fingerspitzengefühl.

Am Spielausgang selbst jedoch hatten die Eisenbahner die größere Aktie. Vorsfelde, das die Elbestädter im zweiten Durchgang des Öfteren einlud, das Ergebnis zu drehen, machte den Sack nicht endgültig zu. Die Pirnaer aber nutzten die Gastgeschenke zu selten. Technische Fehler und vergebene Chancen waren Garanten dafür, dass Petr Hazl und seine Jungs auch aus der VW-Stadt keine Punkte entführten. Selbst eine Fülle an Überzahlsituationen brachte den Ost-Sachsen nichts ein. "Wer sich aufgrund von Strafzeiten nur noch drei MTV-Akteuren auf der Platte gegenüber sieht, dabei kein einziges Tor wirft und sogar noch zwei Treffer bekommt, der kann ein Spiel am Ende nicht für sich entscheiden", war Geschäftsführer Uwe Heller sichtlich angeknackst.

So nahm die Partie letztlich ihren Ausgang mit einer 23:19-Niederlage für die HSV Lok Pirna Dresden. Und als sei mit dieser Niederlage die Situation der Hazl-Sieben nicht schon prekär genug, so traf die Pirnaer an diesem verkorksten Abend eine weitere Hiobsbotschaft. Kreisläufer Steffan Helbig verletzte sich am Knie, als sein Gegenspieler beim Kampf um die Harzkugel unglücklich mit ihm zusammen prallte. Nach einer ersten Diagnose handelt es sich um eine starke Prellung. Ein Einsatz am kommenden Sonntag in Dessau ist daher zumindest fraglich. Den Eisenbahnern bleibt nichts anderes übrig, als so schnell wie nur irgend möglich aufs Erfolgsgleis zurückzufinden. Im Kampf um den Klassenerhalt zählen nur die nackten Tatsachen und das sind Punkte. Davon haben Petr Hazl und seine Jungs bislang zu wenig gesammelt, um den Anschluss an das untere Tabellenmittelfeld herzustellen. Bange machen gilt jedoch nicht. "Wir haben in jedem Spiel die Möglichkeit, unsere Situation wieder zu verbessern", gibt sich Heller kampfesmutig. Es ist an der Zeit, dass sich die Lok-Buben ihrer Stärken besinnen, die sie insbesondere bei den Heimspielen der ersten Halbserie ausgezeichnet haben. Das Selbstvertrauen im Lok-Team muss schnellstmöglich wieder Einzug halten. Wie es geht, haben die Elbestädter schon des Öfteren bewiesen. Die Mannschaft hat unzweifelhaft die Qualität für die dritthöchste Spielklasse Deutschlands. Genau dies gilt es in den kommenden Partien wieder unter Beweis zu stellen.

HSV Lok: Percin, Möbius (1), Gaube, Miličević (9/6), Helbig (2), Ultsch (1), Havlat, Große, Schneider (6)
Spielfilm: 0:1, 1:3, 2:6, 6:6, 6:7, 8:7, 10:8, 11:9 (HZ); 12:9, 14:11, 16:12, 16:14, 17:15, 19:15, 20:17, 22:18, 23:19