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Blütenweiss, Pechschwarz ...

HC Elbflorenz - SG Pirna Heidenau 22:20 (7:15)


... so mag das Fazit zum Arbeitszeugnis der SG- Handballer nach dem Studium des Spielprotokolls zu diesem denkwürdigen, weil dramatischen Spiel, gegen die Reserve des HC Elbflorenz ausfallen. Ja, zur Halbzeit trauten die weit über 120 und damit die Mehrzahl der Zuschauer stellenden Gästefans und auch mancher Offizieller ihren Augen nicht, als sie das Zwischenergebnis auf der Anzeigetafel laßen. 7:15!

Zwischen Anpfiff und Pausensirene lagen irre 30 Minuten, in denen die Lok-Handballer zeigten, was sie tatsächlich drauf haben, während die Hausherren offensichtlich komplett daneben lagen. Dabei waren die Voraussetzungen nicht einmal optimal, fiel doch Stammtorwart Martin Dietze mit einer Muskelverletzung aus. Doch was der noch juniorenberechtigte Philipp Ihl an diesem Tag zeigte, á la bonne heure! Hinter einer äußerst couragierten und diszipliniert zu Werke gehenden Deckung kaufte er den Grießbach, Matschos, Cal und Co ein ums andere Mal den Schneid ab. 54 % aller Würfe fanden in ihm ihren Meister. Ob aus dem Spiel heraus, im 1:1 oder beim Konter, er war da. Natürlich, die Gastgeber blieben weit unter ihren Möglichkeiten, selbst die Routiniers patzten. Neben der kläglichen Wurfeffektivität kamen noch zahlreiche technische Fehler hinzu, die Torsten Schneider und die Seinen dankbar annahmen. Die zu diesem Zeitpunkt das Spiel recht sicher leitenden Unparteiischen aus Weinböhla, ließen das Spiel laufen und trugen so dazu bei, das es recht flott hin und her ging. Damit ergaben sich auch für den Gast ausreichend Gelegenheiten sein Angriffs-spiel aufzubauen.



Beeindruckend, wie die sich bietenden Gelegenheiten von allen Positionen her genutzt wurden. Da trafen nicht nur die üblichen Verdächtigen, allen voran Srdan Gavrilovic, sondern auch Christian Möbius und auch wieder Nico Schott. Damit wurde die SG unberechenbarer und brandgefährlich. Der Halbzeitstand war bei einer Torwurfeffektivität von über 70 % (HC 41%) jederzeit verdient. Die nahezu blütenreine Weste stand der SG. Einziger Wermutstropfen, Christian Möbius musste nach einem rüden Foul passen und verfolgte fortan das Geschehen mit einer Kühlkompresse am Bein von der Bank aus. Dadurch fehlte er nicht nur im Angriff, sondern auch in der Deckung, wo er bekanntermaßen ein Garant ist. Der Trainer musste für die zweiten 30 Minuten umstellen.

Zudem war klar, dass es angesichts des Potenzials der HCer kaum so weitergehen würde. Deren Trainer Göde schien die richtige Ansprache in der Kabine gefunden zu haben. Zudem setzte er jetzt nicht nur Routinier Scholz, sondern einige nicht so arrivierte Spieler ein, die für mehr Druck und Zielstrebigkeit sorgten. So wie sich der Gastgeber steigerte, ließ Pirna/Heidenau nach. Nach anfänglichem Hin und Her kam es mit fortschreitender Spielzeit knüppeldick. Dabei stand die Deckung zunächst noch recht solide, doch im Angriff trat das alte Manko, die Wurfgenauigkeit, immer mehr in den Fokus. Zudem wurde der gegnerische Torwart „berühmt geschossen“ und steigerte sich zum Bollwerk.

Die sich aus zahlreichen Ballverlusten ergebenden Chancen nutzten die HCer gnadenlos. Sie schlossen die Konter und das Aufbauspiel wesentlich erfolgreicher als noch in Abschnitt Eins ab. Da halfen auch die nach wie vor tollen Paraden und ein gehaltener Strafwurf von Philipp Ihl nichts. Warum man allerdings bei eigenem Ballverlust im Umkehrspiel nicht ausreichend schnell zum eigenen Kreis zurückeilte und dabei den Gegner bedrängte, dass bleibt ein Rätsel, welches nur die Akteure selber beantworten können. Waren es schwindende Kräfte und vielleicht auch Angst vor der eigene Courage? Fakt ist, dass die Hausherren, auch mit Hilfe einiger strittigere 7-Meterentscheidungen der Schiris, in der 51. Minute auf Unentschieden heran waren und auf der Woge der Euphorie von den Lok-Handballern kaum noch gebremst werden konnten. Das Drama nahm seinen Lauf. Die letzten 8 Minuten gab man an den Hausherren ab, der zur Halbzeit scheinbar am Boden liegend, nun doch noch zum umjubelten und kaum für möglich gehaltenen Sieg kam. Schade für Pirna/Heidenau, aber nach dieser pechschwarzen zweiten Halbzeit mit nur 5 Treffern, muss man wohl oder übel den bitteren Kelch der Erkenntnis leeren, dass ein Spiel nicht 30 sondern 60 Minuten geht. Nun gilt es, mit dem Wissen um das eigenen Können aus der ersten, blütenweiße Halbzeit, ins Heimspiel gegen Freiberg mitzunehmen und dann eben eine Stunde voll da zu sein.

Spielstatistik (PDF)
Autor: C. Dietze
Fotos (1. Reihe): J. Krupa
Fotos (2. Reihe): D. Wünsche
Fotos (3. Reihe): niki.cam
Fotos (4. Reihe): C. Dietze