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Zum Abschied gab´s 2 Punkte und eine emotionale Ansprache

HC Aschersleben Alligators vs. SG Pirna/Heidenau 22:23 (11:12)


Ja, manchmal vermischt sich Freude über eine tolle Leistung mit etwas Wehmut, wenn es heißt, Servus zu sagen. So geschehen am Sonnabend, den 24. März in Aschersleben, als die Männer von Dusan Milicevic nach dem Abpfiff der Schiris vor lauter Jubel fast nicht mehr einzukriegen waren und dann in der Kabine Toto Schneider zu dem sein letztes Spiel im Lok-Dress absolvierenden Robert Schulze Worte fand, die schon an die Nieren gingen. Doch der Reihe nach.

5 Spiele war es her, dass man sich 2 Punkte auf das Konto hat schreiben können. Danach folgten 4 Spiele mit teilweise wechselvollen Halbzeiten, wie sie man sich kaum vorstellen konnte. Nun gelang der SG ausgerechnet in Aschersleben der so sehnlich herbeigewünschte Befreiungsschlag und das denkbar dramatisch. Zunächst war festzuhalten, dass die Mannschaft trotz aller Rückschläge nicht den Glauben an sich verloren hatte. Spielerisch und kämpferisch auf Augenhöhe mit dem Gastgeber agierend, konnten die Schneider und Co. das Spiel offen halten. Da war alles zu sehen, was ein gutes Handballspiel ausmachte - Spielwitz, aufwändige Laufarbeit, engagierter Kampf um jeden Ball und, ganz wichtig, das Runde fand den Weg ins Eckige. Stark wieder die Deckungsleistung vor dem wieder eine gute Partie liefernden Youngster im Tor, Philipp Ihl. Er verlieh so Spielern den notwendigen Rückhalt. Und im Angriff, da wurde das Konzept des Trainers konsequent umgesetzt. Der Spielaufbau erfolgte überlegt und mit der notwendigen Geduld. Dabei waren die Gastgeber keineswegs zimperlich. Sie erfreuten sich der zurückhaltenden Beurteilung ihrer Aktionen und arbeiteten mit allerlei Tricks in Deckung und Angriff. Klar, auch die Gäste waren nicht faul und scheuten keinen körperlichen Kontakt. Aber, die Anzahl von Fällen, als man nach Trikotzupfern oder durchaus handballüblichen Attacken getroffen zu Boden ging und so versuchte, die Unparteiischen zu beeinflussen, das war für ein ansonsten recht ansehnliches Spiel nicht nötig. So häuften sich die 2-Minutenstrafen. Wichtig, dass sich die SG-Mannen davon nicht aus dem Konzept bringen ließen. Angeführt von ihrem Kapitän und die Verantwortung auf breite Schultern verteilt, blieb man gegen den Tabellenvierten dran. Klasse, dass Krystof Kusal, Nico Schott, besagter Robert Schulze sowie Srdan Gavrilovic und die Kreisläufer um David Lubar allesamt auch torgefährlich waren und so den die ersten Points setzenden Toto Schneider entlasteten. Das Halbzeitergebnis von 12:11 für unser Mannen war der verdiente Lohn aller Mühen.



Doch nun stellte sich die Frage, auch für die mitgereisten Fans, danke für die klasse Unterstützung, würde es wieder dunkel werden oder bleibt es hell auf dem Weg der Pirnaer? Zunächst setzten die Hausherren, angetrieben von 180 Fans, die Akzente. Energisch und die geschilderten Umstände nutzend, zogen sie ihre Bahn. In der 37. Minute stand es 15:12. Es drohte Ungemach, zumal es in der 46. Minute für die SG knüppeldick kam, als mit David Lubar der etatmäßige Kreismitte nach einem Zweikampf mit Rot des Feldes verwiesen wurde. Grund lt. Schiriaussage: Festhalten am Trikot beim Sprungwurfersuch des Gegners. Ein Schicksal, welches er sich ab der 56. Minute mit Robert Ultsch nach dessen 3. Zweiminutenstrafe teilte. Übrigens, der gefoulte Spieler konnte unversehrt die Partie fortsetzen. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auch die Hausherren auf diese Art einen Akteur verloren. Unter diesen Umständen litt die Qualität des Spieles etwas. Mit teilweise nur 4 Feldspielern agierend wurde die Aufgabe für die Milicevic- Schützlinge immer schwerer. Doch sie stellten sich der Herausforderung. Unser Torwart zeigte ein paar sensationelle Reaktionen. Krönung sein gehaltener Strafwurf in der 41. Minute. Mit unglaublichem kollektivem Einsatz kämpften sich die Jungs wieder heran und drehten tatsächlich gegen nachlassende Hausherren den Spieß um. Wer hätte das gedacht, in der 55. Minute (20:21, Kusal) der Gast wieder führte. Wenn dann noch ein wenig mehr die eindringlichen Worte des Trainers beherzigt worden wären, Geduld im Angriffsspiel aufzubringen, dann hätte man sich das dramatische Finale gespart.

So wurde es ein Tanz auf des Messers Schneide. Die nie aufgebenden Hausherren liefen nach den Ballverlusten der Gäste ein ums andere Mal Konter und kamen nach einer Pirnaer 3-Toreführung 2 Minuten vor Ultimo ihrerseits wieder auf. Mit der Schlusssirene, beim Stande von 22: 23, gab es noch einmal Siebenmeter für die Hausherren. Sollte alles umsonst gewesen sein und es wieder nicht zum dringend benötigten Doppelpunktgewinn reichen? Doch diesmal war der Handballgott gnädig. Im Duell Torwart-Schütze versagten letzteren die Nerven. Er nagelte das Sportgerät an die Latte. Der nun folgende Jubel bei den Pirnaern war unbeschreiblich. Und für Robert Schulze wurde es ein Abschied, den er gewiss nicht sogleich vergessen wird. Dazu die Worte des Kapitäns, der meinte, mit dem Fortgang von Robert ginge auch ein Stück von ihm und der Mannschaft. Sie alle wünschten Robert und seiner Freundin, die es beruflich an die holländische Grenze zieht, alles erdenklich Gute und dankten ihm lautstark für die Jahre im Lok-Dress.

Nun ist erst einmal Osterzeit. Danach folgen noch 3 Heim- und ein Auswärtsspiel. Wenn die Mannschaft so wie in Aschersleben gesehen auftritt, dann werden wir auch im kommenden Jahr mitteldeutsche Handballoberliga erleben.

Spielstatistik (PDF)
Autor: C. Dietze
Fotos (obere Reihe): D. Wünsche
Fotos (untere Reihe): J. Krupa