Spielbericht

Perfekter Handballabend




Dass das Handballparkett in der Pirnaer Sonnenstein-Arena kein gutes Pflaster für die "Baggerseepiraten" aus Nieder-Roden ist, musste das Team von HSG-Trainer Alex Hauptmann einmal mehr anerkennen. Schon beim ersten Duell vor drei Jahren musste die HSG Rodgau Nieder-Roden punktlos die Heimreise antreten und auch beim neuerlichen Aufeinandertreffen hatte die Lok mehr Dampf im Kessel und das bessere Ende für sich.

Ob der Ergebnisse der letzten Spiele war sich Geschäftsführer Uwe Heller sicher, dass die beiden Zähler in den Lok-Zielbahnhof eingefahren werden. Dass er mit seiner Prognose jedoch nicht ganz so richtig lag, rang ihm dabei ein süffisantes Lächeln ab: "Im Vorfeld habe ich gesagt, dass wir mit vier Toren Unterschied gewinnen werden; dass es jetzt deren sechs sind, ist freilich um so schöner. Doch viel mehr hat mich die Art und Weise beeindruckt, wie die Jungs in der Trainingswoche bis hin zum Spiel und während der 60 Spielminuten geackert haben, um sich diesen Erfolg zu verdienen", war Heller sichtlich angetan von der Leistung der Lok-Buben.

HSV-Trainer Petr Hazl konnte personell zwar nicht aus dem Vollen schöpfen, mit den wieder genesenen Torsten Schneider und Steffan Helbig lichteten sich jedoch im Vorfeld der Partie gegen den Tabellen-Fünften etwas die Reihen der Verletzten und dem Lokführer bot dieser Umstand wieder ein paar mehr Optionen.

Die Elbestädter verbuchten den etwas besseren Start in die Partie und konnten sich nach der 1:2-Gästeführung nach zehn Zeigerumdrehungen erstmals mit zwei Toren in Front werfen (5:3). Bereits zu diesem Zeitpunkt reagierte HSG-Coach Alex Hauptmann mit einem Team-Timeout auf die Leistung seiner Mannen. Die Pirnaer schienen das richtige Rezept gefunden zu haben, um den Hessen den Zahn zu ziehen. Denn, so viel vorweg genommen, nur selten konnten die Rodgauer ihr schnelles Konterspiel aufziehen. Doch nach dem zwischenzeitlichen 8:5 (17.) riss für knapp zehn Minuten der Spielfaden der Eisenbahner und so konnten der zehnfache Torschütze im HSG-Dress Kai Feldmann mit drei Treffern und Timo Kaiser mit einem verwandelten Strafwurf das Spiel kurzzeitig drehen (8:9, 25.). Aber auch ohne eine Auszeit konnte sich das Team von Petr Hazl wieder fangen und drehte den Spieß noch bis zum Pausenpfiff um. Mit zwei von am Ende insgesamt sechs Treffern konnte sich der wieder erstarkte Jiří Havlat in den Schlussminuten des ersten Durchgangs in die Torschützenstatistik eintragen.

Nach dem Kabinengang entwickelte sich ein reger Schlagabtausch zwischen beiden Teams, wobei die Lok stets mit einem oder zwei Toren vorausdampfte. Die Elbestädter erspielten sich bis zum diesem Zeitpunkt eine Reihe von guten Einwurfmöglichkeiten, die allerdings ob der guten Leistung des Rodgauer Schlussmannes Marco Rhein ungenutzt blieben. Mario Percin im Pirnaer Gehäuse stand dem Können seines Kontrahenten jedoch in keiner Weise nach und bewies mehrmals, warum man sich hundertprozentig auf ihn verlassen kann. Nachdem sich Volker Koch in Minute 46. aus dem Rückraum in die Luft schraubte und den Ball wuchtig und unhaltbar zum 21:18 in den Maschen der Gäste versenkte, schien das Spiel in die richtige Richtung für die HSV zu laufen. Doch mit zwei Toren in Folge machten es Sebastian Schulz und Philippe Kohlstrung zehn Minuten vor Schluss noch einmal spannend (21:20). Bei diesem Spielstand hatten die Hessen in der Folge zwei Mal die Möglichkeit, mit den Eisenbahnern gleich zu ziehen. Doch diese scheiterten mit ihren Gegenstößen am hervorragend parierenden Mario Percin zwischen den HSV-Pfosten. Trainer Petr

Hazl legte im richtigen Moment noch einmal den grünen Karton auf den Tisch des Schiedsgerichtes, um seine Mannen für die verbleibende Spielzeit einzustimmen. Und spätestens mit den Toren Nummer 22 bis 25 in Serie brachten sich die Elbestädter aufs Siegesgleis und verwandelten die Hölle-Ost in ein ohrenbetäubendes Tollhaus. Nun hielt es keinen der 450 Zuschauer mehr auf seinem Sitz. Was in den letzten Augenblicken der Partie folgte war grenzenloser Jubel über einen am Ende wichtigen und verdienten 28:22-Heimerfolg der Pirnaer und die Gewissheit, dass man den Ausgang der Saison in den eigenen Händen hat.

"Ich bin unglaublich stolz auf die Jungs", war auch Petr Hazl voll des Lobes über die Leistung seiner Mannschaft. "Wie die Jungs wollen und zusammenhalten ist klasse. Wir haben an uns geglaubt und gewusst, wenn wir alles geben, dann werden wir die Partie für uns entscheiden."

Ein perfekter Handballabend für Pirna, gerade weil die Hazl-Sieben mit dem Sieg gegen die "Baggerseepiraten" die Signale aus eigener Kraft in Richtung Klassenerhalt auf Grün gestellt hat. Besonders gefreut haben sich sowohl die Verantwortlichen der HSV Lok Pirna Dresden, als auch das Team von Petr Hazl im Vorfeld der Partie über die Ehrung der A-Jugend des Kooperationspartners HSV Dresden. Das Team um das Trainer-Dou André Salm und Jens Grießbach errang mit dem Sachsenmeister-Titel einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Auch dies trug zu einem rundum gelungenen Handballabend bei. Und vielleicht waren die Leistung der Hazl-Buben, sowie die Gänsehautstimmung in der Hölle-Ost Motivation und Anreiz genug, um in Zukunft selber einmal in der Sonnenstein-Arena in den Farben der HSV Lok Pirna Dresden aufzulaufen.

HSV LOK: Percin, Michelsen, Koch (2), Möbius (3), Brecko, Havlat (6/1), Gaube, Bouček (9/1), Miličević (5/2), Helbig, Ultsch, Schneider (1), Hartmann (2)

Spielfilm: 1:0 (2.), 1:2 (3.), 3:3 (8.), 5:3 (10.), 6:5 (16.), 8:5 (17.), 8:9 (25.), 9:9 (27.), 12:10 (HZ); 12:11 (31.), 14:12 (34.), 16:14 (38.), 19:17 (42.), 21:18 (46.), 21:20 (50.), 25:20 (56.), 27:21 (59.), 28:22

Fotos: Peter Hatzirakleos