Spielbericht

Pirna bebt! - Lok schafft aus eigener Kraft den Klassenerhalt
HSV Lok Pirna/Dresden - TV Kirchzell 29:23 (11:11)




Nach den letzten 60 Handball-Heimminuten der Saison 2013/2014 kannte der Jubel in der proppenvollen Sonnenstein-Arena keine Grenzen mehr. Es ist geschafft-Die HSV Lok Pirna/Dresden hat sich in einem spannungsgeladenen und hochemotionalen Drittligaspiel gegen den Tabellen-Zweiten aus Kirchzell aus eigener Kraft den Klassenerhalt gesichert. Mit einem 29:23-Erfolg - dem fünften Heimsieg in Folge - entledigten sich Petr Hazl und seine Jungs aller Abstiegssorgen und belohnten sich selbst für die harte Arbeit der letzten Wochen und der ganzen Saison. Vor den ausgelassenen Feierlichkeiten jedoch lag ein schwieriges Stück Arbeit vor den Lok-Handballern. Diese hatten mit dem TV Kirchzell eine ganz harte Nuss auf dem Weg zum Klassenverbleib zu knacken. Hochmotiviert dampfte die Lok ins Spiel. Die ersten fünf Minuten der Partie gegen die Odenwälder gehörten ganz klar den Elbestädtern. Jiří Havlat, Christian Möbius und Jiří Bouček sorgten für eine rasche 3:0-Führung, die den Schützlingen von Petr Hazl aber in der Folge nicht die benötigte Ruhe und Sicherheit gab, um das Spiel früh zu Gunsten der Eisenbahner in die richtigen Bahnen zu lenken. Dafür stand den Hazl-Buben mit dem Tabellen-Zweiten ein zu abgezockter Kontrahent gegenüber. Mit zwei Strafwürfen durch den starken Andreas Kunz und einem Tor von TVK-Akteur Mario Stark egalisierten die Gäste das Ergebnis nach einer knappen Viertelstunde. Die bis dahin magere Treffer-Ausbeute auf beiden Seiten war nicht nur Ergebnis zweier gut agierender Abwehrreihen, sondern auch Zeugnis von Nervosität auf Seiten der Hazl-Sieben, die sich des Öfteren Bälle mit viel Leidenschaft und Einsatz erkämpfte, jedoch im Angriff zu schnell wieder abgab.

So entwickelte sich im ersten Durchgang ein Spiel auf Messers Schneide. Die Gäste aus Kirchzell, die zum ersten Mal ihre Visitenkarte auf dem Pirnaer Sonnenstein abgaben, gingen in Minute 24 erstmals in Führung (6:7) und machten ihrerseits den Anspruch geltend, den zweiten Tabellenrang zu verteidigen. Mit einem Doppelschlag binnen einer Minute jedoch sorgten Jiří Bouček und Toto Schneider für die erneute HSV-Führung. Bis zur Pausen-Sirene legten die Mannen von Lokführer Petr Hazl stets vor-der TVK indes zog fortwährend gleich. Beim Stand von 11:10 erkämpften sich die Elbestädter die Harzkugel und hatten nach einer Auszeit Gelegenheit mit einem Zwei-Tore-Abstand in die Kabine zu gehen. Doch der Angriff der Eisenbahner verpuffte - der TVK ließ sich seinerseits nicht lange bitten und markierte in Person von Philipp Baier just mit dem Pausenpfiff den 11:11.-Ausgleich. Gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs setzten die Gäste aus Kirchzell die erste Duftmarke und gingen das zweite Mal in dieser Partie in Führung. Doch abermals mit zwei Treffern in Folge machten Lok-Spielmacher Jiří Bouček und Kreisläufer Steffan Helbig ihr Vorhaben unmissverständlich (13:12, 33.). Dem TVK gelang es eine halbe Minute später zum letzten Mal den Vorsprung der Elbestädter auszugleichen. Von da an gelang es den Lok-Akteuren mehr und mehr die Stärken in die Waagschale zu werfen, die es den Eisenbahnern bereits in den vergangenen Partien ermöglichte, ihre Kontrahenten am Ende deutlich in die Knie zu zwingen. Allen voran war es wieder einmal die mannschaftliche Geschlossenheit eines Teams, das keine Zweifel mehr daran aufkommen ließ, wer das Parkett der Sonnenstein-Arena am Ende als verdienter Sieger verlassen sollte. Bis Mitte der zweiten Halbzeit konnten die Odenwälder den Abstand in Grenzen halten und erhofften sich ihrerseits noch eine Wende im Spiel. Doch spätestens als Mario Percin im Kasten der Lok dem TVK-Toptorschützen Andreas Kunz einen Strafwurf abnahm und die HSV im Gegenzug zum zweiten Mal mit drei Treffern in Führung ging, nahm die Partie zu Gunsten des Lok-Ensembles ihren verdienten Lauf. In der Abwehr rührten die Sachsen noch einmal Beton an und gestatteten den Bayern insgesamt nur 23 Treffer. Nach konzentrierter Defensivarbeit schlossen Lok-Torjäger Dušan Miličević und das Pirnaer Eigengewächs Maximilian Hartmann ihre Angriffe eiskalt ab und schraubten das Ergebnis letztlich noch auf plus sechs in die Höhe. Doch nicht erst mit dem Schlusspfiff der beiden Unparteiischen Martin Harms und Jörg Mahlich verwandelte sich die mit zahlreichen Plakaten, Fahnen und Spruchbändern geschmückte und proppenvolle Sonnenstein-Arena in ein stimmgewaltiges Tollhaus und machte ihrem Ruf als "Hölle-Ost" und achter Mann wieder einmal alle Ehre. Bereits Minuten vor Schluss erreichte der Lärmpegel oberstes Niveau. Und so fanden sich Spieler, Offizielle und Fans der HSV Lok Pirna/Dresden nach der Schluss-Sirene lautstark jubelnd auf dem Drittliga-Parkett der Sonnenstein-Arena wieder und freuten sich ausgelassen über das, was sie aus eigener Kraft geschafft haben-den hochverdienten Klassenerhalt. Es ist erstaunlich und umso bemerkenswerter, wie sich dieser "verschworene Haufen" nach vielen Widrigkeiten während der Saison selbst für die harte und kräftezehrende Arbeit belohnt hat. So blieb dem Lokführer Petr Hazl nichts anderes übrig, als das bereits in den vorangegangenen Heimspielen Gesagte zu bemühen und seinem Team Tribut zu zollen und seinen Stolz gegenüber seinen Jungs zu bekunden.

Indes nahm sich Geschäftsführer Uwe Heller nach der Partie ein paar Augenblicke für sich, um das Geschehene Revue passieren zu lassen. Für ihn waren Heimsieg und der gleichbedeutende Klassenerhalt wohl die schönsten Geschenke zu seinem Ehrentag und versüßten ihm einerseits den Abend. Andererseits jedoch hatte er ebenfalls, wie so viele andere auch, mit seinen Gefühlen und Tränen zu kämpfen. Wie so oft nach einer Spielzeit heißt es auch Abschied zu nehmen, denn mit Torhüter Morten Michelsen und dem Harthaer Falk Gaube verabschieden sich zwei Akteure, die in Handball-Pirna ihre Spuren hinterlassen haben. Ganz besonders emotional jedoch war der Abschied von "Super"-Mario Percin, der das Gehäuse der Elbestädter drei Jahr lang gehütet hat und so oft auch ein entscheidender Faktor im Spiel der Eisenbahner war. Für seine Leistungen musste man insbesondere in dieser Saison des Öfteren diverse Superlative bedienen, allen voran, weil er mit seinem Können für das Erreichen des Klassenerhaltes maßgeblich mit verantwortlich war. Doch nicht nur sportlich, sondern auch menschlich verliert die HSV Lok Pirna/Dresden mit Mario Percin eine wichtige Größe. Allen drei Akteuren sei an dieser Stelle ein großer Dank ausgesprochen. Für ihre Zukunft wünschen wir Morten Michelsen, Falk Gaube und Mario Percin sportlich, beruflich und privat das Allerbeste. Ballast, Druck, Anspannung - all dies ist nun endlich von den Schultern der Lok-Mannen abgefallen. Eine Partie jedoch steht für das Team von Petr Hazl noch auf dem Plan. Im Ost-Derby bei Anhalt Bernburg können die Elbestädter Revanche für die knappe 23:24-Hinspielniederlage nehmen und mit ihren zahlreichen Fans ein positiv-verrücktes Beispiel für den Handball in unserer Region sein. Die Partie steigt am Sonntag, den 11.05.2014 um 17 Uhr in der Bernburger Bruno-Hinz-Sporthalle. Die Lok-Buben freuen sich auf die große und lautstarke Unterstützung ihrer Schlachtenbummler im letzten Spiel der Saison 2013/2014. Getreu dem Motto "Pirna bebt" ließen es die Lok-Mannen erst auf dem Parkett der Sonnenstein-Arena gegen den TV Kirchzell richtig krachen und nahmen diesen Schwung mit in die verdienten Feierlichkeiten im Pirnaer Abend- und Nachtleben.

HSV LOK: Percin, Michelsen, Möbius (3), Brecko, Havlat (5), Gaube, Bouček (5), Miličević (7/4), Helbig (1), Ultsch (2), Große (2), Schneider (2), Hartmann (2)

Spielfilm: 3:0 (6.), 3:3 (13.), 4:3 (17.), 6:5 (20.), 6:7 (24.), 8:7 (25.), 10:9 (28.), 11:11 (HZ); 11:12 (31.), 13:12 (33.), 15:13 (36.), 17:16 (42.), 20:17 (46.), 20:19 (47.), 22:19 (49.), 24:22 (54.), 26:23 (57.), 29:23

Fotos: Marko Förster