Spielbericht

Lok bringt sich um verdienten Lohn der Arbeit


Es war der erste Punkt der Saison 2014/2015 auf der Habenseite der Handballspielvereinigung Lok Pirna Dresden - und doch konnte keiner, der es mit den Elbestädtern hält, so recht damit zufrieden sein. Mit dem 33:33 gegen den HSV Hannover haben sich die sächsischen Eisenbahner um den Lohn ihres engagierten Auftretens gegen das Team aus der niedersächsischen Landehauptstadt gebracht und einen Sieg und den damit gleichbedeutenden doppelten Punktgewinn verpasst. "Mit dem Endergebnis können wir ob der von uns gebotenen Leistung freilich nicht zufrieden sein, hatten aber letztlich noch das Glück, wenigstens einen Zähler in den Zielbahnhof eingefahren zu haben", gab Geschäftsführer Uwe Heller nach der Schlusssirene zerknirscht zu bekennen und konnte seine Enttäuschung nicht ganz verbergen.

Für die Elbestädter lief es bis auf die zweimalige Gästeführung (0:1 und 1:2) eigentlich von Beginn an wie am Schnürchen. Die Lok stand unter Volldampf und stellte mit einem 4:0-Lauf die Weichen schon früh in die richtige Richtung. Das Team von Petr Hazl zeigte dabei im Angriff erfrischenden und beherzten Handball und erzielte Treffer von allen Positionen. Dušan Miličević und Philipp Große auf Außen, Christian Möbius und Vladan Kovanovic aus dem Rückraum, Jiří Bouček, der im ersten Durchgang klug Regie führte, sowie Martin Danowski am Kreis konnten die sich ihnen gebotenen Möglichkeiten zumeist in Tore ummünzen und brachten sich in aussichtsreiche Position für den ersten Saisonerfolg. Der Lohn toller Kombinationen und einwandfrei herausgespielter Treffer war eine Fünf-Tore-Führung Mitte der ersten Halbzeit (10:5, 15.). Auch als Gästetrainer Stephan Lux bei seiner Mannschaft mit einem Team-Timeout die Handbremse zog, sollte sich am Spielverlauf selbst in Folge nicht viel ändern. Allzu komfortabel konnten sich die Hazl-Mannen ob diverser ausgelassener Tor-Möglichkeiten zwar nicht in Front werfen, jedoch schmolz weder der Lok-Vorsprung auf mehr als drei Treffer zusammen, noch erweckten die Hannoveraner im ersten Durchgang den Eindruck, als könnten Sie den Elbestädtern noch gefährlich auf die Pelle rücken. So wurden mit einem verdienten 17:14-Pausenstand die Seiten gewechselt.

Auch nach Wiederanpfiff sponnen Jiří Bouček und seine Teamkameraden den Spielfaden nach dem gleichen Strickmuster wie schon in den ersten dreißig Zeigerumdrehungen. Die Hazl-Buben brachten das klebrige Spielgerät abermals von allen Positionen im Gehäuse der niedersächsischen Gäste unter- dabei waren die Elbestädter sogar in doppelter Unterzahl erfolgreich. In der Sonnenstein-Arena hatte keiner so richtig den Eindruck, dass sich die Elbestädter auf ihrem Weg zum ersten Saisonerfolg noch ausbremsen lassen könnten; das Momentum lag auf der Seite des Teams von Lokführer Petr Hazl - Für Gästecoach Stephan Lux Grund genug den grünen Karton ein zweites Mal auf den Tisch des Schiedsgerichtes zu legen und seinem Team für die verbleibenden 18 Minuten noch einmal zurechtzurücken. Zu diesem Zeitpunkt notierte die Anzeigetafel erneut einen Fünf-Tore-Vorsprung für die Gastgeber (25:20, 42.). Doch dieses Mal schien Lux die richtigen Worte für seine Mannschaft gefunden zu haben. Der Antrieb des Lok-Teams schien in der Folge mehr und mehr ins Stocken zu geraten. Die Eisenbahner warteten in dieser Phase der Partie nicht mehr mit der gewohnten 6:0-Deckung auf, sondern stellten diese auf 5:1 um. Sollte diese taktische Marschrichtung des Lok-Trainers ein Fehler gewesen sein? - Die Gäste jedenfalls scherten sich weniger um diesen Umstand und sorgten mit einfachen Toren dafür, dass die Führung der Elbestädter sukzessive schmolz. Bis zum 27:23 Mitte des zweiten Durchgangs schien es zwar so, als könnte sich die Lok-Sieben der aufgekommenden Moral der Niedersachsen noch erwehren, doch eine sechsminütige Torflaute der Sachsen und vier Gästetreffer sorgten nicht nur für den Ausgleich, sondern auch für eine erhebliche Unsicherheit bei den Gastgebern. Der verletzte Abwehrrecke Torsten Schneider, der seinen Kollegen auf der Platte leider immer noch nicht helfen kann, vom Spielfeldrand aber einen objektiven Blick auf das Geschehen hatte, nahm entsprechend Notiz von der drohenden Gefahr, dass sein Team den bis dato so sicher geglaubten Erfolg noch aus der Hand geben könnte. "Wir haben uns für jeden Treffer in dieser Spielphase sprichwörtlich den Hintern aufgerissen, um zum Erfolg zu kommen und bekamen anschließend immer postwendend die Gegentreffer eingeschenkt, das war absolut ärgerlich für uns."

So wogte das Spiel bis zum 31:31 - Pirna ging in Führung, Hannover glich aus. Beim nächsten Angriff der Pirnaer gelang es diesen jedoch nicht mehr sich in Front zu werfen. Ein Foul an Vladan Kovanovic bedachten die beiden Unparteiischen zu früh mit einem Pfiff, denn trotz des regelwidrigen Eingreifens seines Gegenspielers fand sein Pass den Weg zu Jiří Bouček, der vom Kreis vollenden konnte; der Treffer des tschechischen Spielmachers blieb jedoch aufgrund des zuvor ertönten Pfiffs einer Anerkennung versagt. Der anschließende Lok-Angriff verpuffte und die Hannoveraner nutzten die Gunst der Stunde. Mit einem verwandelten Strafwurf brachte der siebenmalige Torschütze Sebastian Czok seine Farben erstmals seit Spielminute drei wieder in Führung. Ganz klar - der HSV Hannover hatte nun die Trümpfe in der Hand. Mit dem letzten Angriff der Eisenbahner war der beste Lok-Torschütze Christian Möbius für sein Team noch einmal erfolgreich und den finalen Anlauf der Gäste aus Niedersachsen konnte Nick Weber mit einer Blitzreaktion entschärfen. So gab es in einer am Ende noch ungeglaubt spannend gewordenen Partie keinen Sieger - Für den HSV Hannover ist das 33:33 gleichbedeutend mit dem ersten Punktgewinn auf fremden Terrain - Für die Gastgeber aus dem Elbtal ist es der erste Punktgewinn überhaupt in dieser Spielzeit. HSV-Trainer Stephan Lux lobte die Moral seiner Mannschaft: "Das Spiel lief eigentlich nicht so, als dass es für uns noch auf ein Erfolgserlebnis hätte hinauslaufen können. Aber wir haben es am Ende mehr und mehr geschafft, die Fehler unseres Gegners auszunutzen und daraus Kapital zu schlagen." Lok-Geschäftsführer Uwe Heller sah indes Parallelen zur Partie bei der zweiten Vertretung der TSV Burgdorf am vergangenen Wochenende. "Hannover lag hinten und wir hatten eigentlich alles im Griff. Der HSV zeigte anschließend die gleiche Moral, wie wir am letzten Sonntag in Burgdorf, haben Tor um Tor aufgeholt. Allerdings war die Aufholjagd des HSV erfolgreicher und so haben sie nun leider einen Punkt mit auf die Heimreise nehmen können.

Die Enttäuschung bei den Lok-Mannen, einen Punkt aus der Hand gegeben zu haben dürfte insoweit schwerer wiegen, als die Freude, den ersten Pluspunkt eingefahren zu haben. Doch der erste Erfolg der Handballspielgemeinschaft wird den Mannen um Trainer Petr Hazl Motivation genug sein, in den kommenden drei aufeinanderfolgenden Heimpartien auch punktetechnisch das Maximum herauszuholen. Mit den Youngsters vom SC Magdeburg, dem aktuellen Tabellenzweiten, steht der Lok-Mannschaft am kommenden Samstag da gewiss keine einfache Aufgabe bevor.

HSV LOK: Weber, Möbius (6), Brecko, Havlat (5), Bouček (4), Miličević (5/3), Helbig, Düsel, Große (3), Danowski (5), Kovanovic (5)
Spielfilm: 0:1 (1), 1:2 (3.), 5:2 (7.), 8:4 (12.), 10:5 (15.), 12:9 (18.), 15:11 (23.), 16:12 (28.), 17:14 (HZ); 19:15 (35.), 22:18 (39.), 25:20 (42.), 25:22 (46.), 27:23 (48.), 27:27 (53.), 31:30 (56.), 31:32 (58.), 33:33