Spielbericht

Niederlage mit Geschmäckle


Eine ganz bittere Pille mussten die Ballwerfer von der Handballspielgemeinschaft Lok Pirna Dresden am sechsten Spieltag schlucken - Sie verloren die Partie gegen den Tabellenzweiten SC Magdeburg II am Ende klar mit 29:36. Eine Partie, die nicht nur während der 60 Minuten auf dem Parkett für viel Gesprächsstoff sorgte. Auch nach der Schlusssirene gab es reichlich Diskussionsbedarf über das Zustandekommen des Ergebnisses. So kurz nach Ende des Spiels die richtigen Worte für die Dynamik der Partie zu finden ist nicht gerade einfach. Diesbezüglich mussten sich auch die beiden Trainer Petr Hazl und Bennert Wiegert in allerlei Fingerspitzengefühl üben und da hatte der Lokführer am Ende das bessere Statement auf seiner Seite: "Es sollte in einem Spiel immer so sein, dass die beiden Mannschaften, die sich auf der Platte begegnen, die Partie entscheiden und keine anderen Faktoren das Zünglein an der Waage sind", brachte der Pirnaer Coach seine Meinung in aller Diplomatie zum Ausdruck. SCM-Coach Bennet Wiegert indes sah, trotz des für sein Team mit sieben Toren Unterschied ausgefallenen Sieges mehr Fehler bei seiner Mannschaft, als bei den Unparteiischen...Eine Aussage, die man im Lok-Lager ob des Spielausgangs freilich etwas anders sieht.
Letztlich jedoch kann man die Partie drehen und wenden wie man will, welche Faktoren nun einen Einfluss hatten und welche nicht; am Ende stehen die sächsischen Eisenbahner mit leeren Händen da und bleiben auch im sechsten Spiel ohne einen doppelten Punkterfolg. Stand vor dem Aufeinandertreffen gegen die verlustpunktfreien Domstädter aufgrund einer Wadenverletzung noch ein Fragezeichen hinter dem Einsatz von Lok-Torjäger Dušan Miličević, so wurde es beim Einlaufen der Mannschaften Gewissheit, dass der Linksaußen gegen den SCM passen musste. Doch es gab auch eine gute Nachricht: Der lange verletzte Abwehrchef Torsten Schneider durfte endlich wieder aktiv ins Geschehen eingreifen.

Die Magdeburger Youngsters verbuchten den besseren Start in die Partie und führten rasch mit 0:3 (4.), ehe auch die Eisenbahner mit ein paar mehr Kohlen im Kessel und dem 3:3-Ausgleich für Dampf sorgten. So richtig im Match angekommen schienen die Pirnaer Ballwerfer jedoch noch nicht zu sein. Viel zu viele technische Fehler schlichen sich im Angriffspiel der Lok ein und auch der tschechische Spielmacher Jiří Bouček konnte nicht wie gewohnt seine Fäden ziehen. Der SCM ließ sich indes nicht lange bitten und zog beim 8:14 in Minute 24 erstmals auf sechs Tore in Front. Auch eine Auszeit für die Hazl-Buben brachte bis zum Pausenpfiff nicht den gewünschten Änderungseffekt. Lediglich Rückkehrer Torsten Schneider konnte in der Schlusssekunde auf 12:17 verkürzen. Aus der Kabine jedoch kamen die Lok-Mannen mit viel mehr Elan und Kampfeswillen, als es noch in Durchgang eins der Fall war. Gegen das schnelle und überfallartige Angriffsspiel der jungen Magdeburger hatten die Sachsen zwar oft das Nachsehen. Doch mit der nötigen Leidenschaft bissen sich die Pirnaer in der Partie fest und pirschten sich allmählich und unaufhaltsam an die Domstädter heran. Der Vorsprung der Youngsters schmolz kontinuierlich. Aus einem 16:21 machten die Lok-Buben in drei Minuten ein 19:21, aus einem 20:23 das 22:23. Die HSV war wieder mitten in der Partie und dieser Funke sprang vom Parkett auch auf die Tribünen über. Spätestens der 24:24-Ausgleichstreffer durch Jiří Havlat nach 46 Zeigerumdrehungen brachte die "Hölle-Ost" endgültig zum Kochen. Auch ein Verdienst von Martin Dietze im Lok-Kasten, der den SCM-Schützen des Öfteren die Würfe abnahm. Es war der richtige Zeitpunkt für eine Wende, doch so sehr die sächsischen Eisenbahner auch unter Dampf standen und der Partie auf ihre Weise die richtige Richtung geben wollten; zu einem positiven Spielausgang für Toto Schneider und seine Kameraden sollte es an diesem Abend leider nicht mehr langen.

Machten sich die Pirnaer im ersten Durchgang eher durch ihre eigenen Fehler das Leben schwer, so hinterließen die Entscheidungen der beiden Unparteiischen, insbesondere in der Phase, in der die Lok-Mannen wieder zurück ins Spiel fanden und drauf und dran waren das Spiel zu kippen, den Eindruck als dürfe es an diesem Abend keinen Heimsieg geben. Eine Partie, die auch bei objektiver Betrachtungsweise in ihrem Ausgang einen faden Beigeschmack hatte, weil nicht für beide Teams der gleiche Maßstab angelegt wurde. Für die Pirnaer Ballwerfer hagelte es Zeitstrafen und Entscheidungen, die Lokführer Petr Hazl und seine Schützlinge an den Rand der Verständnislosigkeit brachten. Und so verpuffte die furiose Lok-Aufholjagd ebenso wie der Wunsch nach dem ersten Heimsieg der Saison.

Der Rest des Spiels ist schnell erzählt. Der Wille der HSV-Handballer war gebrochen, die Gäste aus Magdeburg nutzten die sich bieten Gelegenheiten ihrerseits und zogen nach und nach wieder davon. SCM-Coach Bennert Wiegert machte zwar auch in der Umstellung der Abwehr seiner Youngsters Mitte der zweiten Spielhälfte das Rezept des Erfolges aus. Was sich jedoch überdies auf dem Parkett ereignete, dürfte auch dem erfahrenen Wiegert nicht entgangen sein. So behielten letztlich seine SCM Youngsters mit einem 29:36-Erfolg ihre weiße Weste und eroberten mit diesem Sieg die Tabellenspitze der Dritten Liga-Ost.
"Wir machen Fehler und geraten dadurch in Rückstand. Wir starten eine grandiose Aufholjagd, die am Ende unbelohnt blieb, weil diese Partie heute einen anderen Ausgang nehmen sollte", konnte auch Steffan Helbig seine Enttäuschung nicht verbergen. Für die sächsischen Eisenbahner gilt es, so schmerzlich diese Niederlage auch ist, schnell in die Spur zu finden, denn am kommenden Wochenende steht bereits die nächste Partie im Pirnaer Heimspielmarathon auf dem Plan. Am Sonntag, den 12.10.2014 gastiert der TV Groß-Umstadt auf dem Pirnaer Sonnenstein.

HSV LOK: Weber, Dietze, Möbius (2), Brecko (4), Havlat (3), Bouček (1), Helbig, Große (5), Schneider (4), Danowski (3), Kovanovic (7)
Spielfilm: 0:3 (4.), 3:3 (7.), 4:6 (13.), 6:9 (18.), 8:11 (20.), 8:14 (24.), 10:15 (27.), 12:17 (HZ); 13:17 (31.), 16:21 (33.), 19:21 (37.), 20:23 (40.), 22:23 (42.), 24:24 (46.), 25:26 (50.), 26:32 (55.), 29:36

Fotos: Marko Förster