Spielbericht

Derby-Pleite in Leipzig
SG LVB Leipzig - HSV Lok Pirna Dresden 38 : 26 ( 17 : 13 )


Es ist zum Mäuse melken bei der Handballspielvereinigung Lok Pirna Dresden. Auch am zehnten Spieltag vermochten es die Elbestädter nicht das Parkett als Sieger zu verlassen. Im Sachsen-Derby gegen die Straßenbahner von der SG LVB Leipzig setzte es am Ende einer verkorksten Partie eine derbe 26:38-Schlappe, welche die Pirnaer Ballwerfer nicht aus der Abstiegszone entkommen lässt.
Der Arbeitstag des Teams von Lokführer Petr Hazl begann mit einer Panne auf der Autobahn bereits vor dem Anpfiff der Partie denkbar schlecht. Eine ernst zu nehmende Rolle sollte dieses Ereignis jedoch nicht spielen. Pirna kam gut ins Spiel und führte nach vier Minuten mit 2:1. Doch es sollte nicht lange dauern, bis die Messestädter dem Spiel ihren Stempel aufdrückten und den Rückstand drehten. Knappe zehn Minuten später markierte die Anzeigetafel bereits einen Spielstand von 10:4 für die Gastgeber und Petr Hazl musste schon früh den grünen Karton zücken. Trotzdem wollte sich eine merkliche Besserung im Spiel der Lok noch nicht einstellen. Viel zu oft schlich sich der Fehlerteufel bei der Hazl-Sieben ein, so dass man sich bereits im Aufbauspiel in Schwierigkeiten brachte. Die Elbestädter hatten zu wenig gute Ideen und keine konkrete Bindung zur Partie, um den Rückstand in Halbzeit eins zu drehen. Auch die HSV-Abwehr war nicht so sattelfest, wie es noch letzte Woche in Bad Neustadt der Fall gewesen ist. Nick Weber im Lok-Gehäuse konnte dem LVB-Angriff den ein oder anderen Wurf abknöpfen. Seine Vorderleute jedoch konnten sich bis dato leider nicht ebenso gut in Szene setzen. Die Pirnaer Angriffsbemühungen endeten des Öfteren mit eigenen Fehlern. Brachten die Elbestädter ihre Spielzüge doch einmal bis zu Ende, so fanden sie anschließend zu oft in LVB-Keeper Patrick Ziebert ihren Meister.

Eine von beiden Seiten weder hart noch unfair geführte Partie erfuhr 15 Sekunden vor der Halbzeitsirene ihr jähes Ende. Bei einem Tempogegenstoß der Ost-Sachsen wurde Torsten Schneider abseits des eigentlichen Spielgeschehens von seinem Gegenspieler zu Boden gerissen. Die Unparteiischen jedoch ahndeten diese Situation nicht nur mit zwei Minuten für den Spieler der SG, sondern verwiesen unverständlicherweise auch Schneider mit einer Zeitstrafe des Feldes. Eine nicht nachvollziehbare Entscheidung, welche die Pirnaer Ballwerfer ins Mark treffen sollte - für den Lok-Abwehrrecken war es bereits die dritte Hinausstellung, das bedeutete Rot und das Aus für den 24-jährigen, der genau wie seine Mitstreiter die Welt nicht mehr verstand.

Trotz aller Widrigkeiten - mit dem Halbzeitpfiff versenkte Philipp Große mit einem verwandelten Strafwurf noch einmal die Harzkugel in den Maschen der Gastgeber, so dass der Rückstand zur Pause nur vier Tore betrug (13:17).Zwei weitere Treffer durch den an diesem Nachmittag besten HSV-Schützen Philipp Große brachten die Lok gleich nach Wiederanpfiff in Schlagdistanz zu den Straßenbahnern (15:17, 31.). Die Würze, welche die beiden Unparteiischen jedoch vor der Pausensirene in die Partie brachten, sollte das Spiel auch im zweiten Durchgang noch verschärfen. Ohne eine erkennbare Linie brachten die Herren Magalowski und Schwieger die Pirnaer Ballwerfer an den Rand der Verzweiflung. Doch die Entscheidungen der beiden Männer in schwarz konnten die wichtigste Sache nicht kaschieren - die Lok hatte nach dem Anschlusstreffer nicht genug Dampf im Kessel, um sich spielerisch gegen einen an sich gleichwertigen Gegner zur Wehr zu setzen. Die Hazl-Mannen agierten auch in der Folge zu fahrig, die Abwehr offenbarte zu oft Lücken, die der Angriff der Gastgeber freilich dankend nutzte. Bis zum 20:23 durch Martin Danowski (42.) blieben die Eisenbahner ihrem Kontrahenten auf den Fersen, ehe der Spielfaden gänzlich zu reißen drohte. Spätestens beim Stand von 29:21 für die Messestädter zwölf Minuten vor Ultimo war klar, dass der Drops gelutscht war. Eine Aufholjagd, wie in den vergangenen Partien war gegen die SG nicht mehr möglich; dafür war die Hypothek des Rückstandes einfach zu groß. Und auch die zahlreich mitgereisten Fans der Pirnaer mussten leidvoll anerkennen, dass auch nach der zehnten Partie in Folge der ersehnte Doppelpunkterfolg nicht gefeiert kann. Und so nahm der Ausgang der Partie seinen bitteren Lauf.

Trainer Hazl gab in den letzten Minuten der zweiten Reihe um Keeper Tyll Schmidtke und Constantin Weigelt die Gelegenheit, ihr Können im aktuell harten Drittliga-Alltag unter Beweis zu stellen. Letzterer nutzte die Chance prompt und erzielte sein allererstes Drittliga-Tor im Lok-Dress: "Ich freue mich über meinen ersten Treffer, doch die Freude wäre größer, wenn am Ende ein positives Ergebnis für uns herausgesprungen wäre - nun stehen wir abermals mit leeren Händen da", wusste Constantin Weigelt nicht so recht wohin mit seiner Enttäuschung über den Ausgang der Partie.

Am Ende nutzten die Straßenbahner die sich bietenden Gelegenheiten eiskalt aus und schickten die Elbestädter mit einer deftigen Niederlage nach Hause. Das Warten bei der Handballspielvereinigung scheint endlos zu sein - auch nach zehn Spieltagen stehen die Eisenbahner ohne doppelten Punkterfolg da. So leidet auch das Selbstbewusstsein der Mannen von Petr Hazl und ein richtiger Ausweg aus diesem Schlammassel ist so recht nicht zu erkennen, weil auch die kommenden Aufgaben nicht einfacher werden. Es gibt Tage, da zeigen die Elbestädter sehr gute Leistungen, wie am vergangenen Wochenende in Bad Neustadt. Und es gibt Tage, da finden die Hazl-Buben einfach nicht zu ihrem Leistungsvermögen. Doch egal, welche Leistung ausschlaggebend ist, am Ende stimmten die Ergebnisse in den bislang absolvierten zehn Partien nicht. Eine Zerreißprobe für die Geduld und das Selbstvertrauen der Schützlinge von Petr Hazl. Am kommenden Wochenende gastieren die Elbestädter nach einer der längsten Auswärtsfahrten der Saison beim TV Kirchzell, die bis dato im Rahmen ihrer eigentlichen Möglichkeiten durchwachsen in die Spielzeit 2014/2015 gestartet sind. Ob sich hieraus eine Außenseiterchance für die Eisenbahner ergibt?

HSV LOK: Weber, Schmidtke, Möbius (1), Brecko (2), Havlat, Weigelt (1), Bouček (4), Miličević (2), Helbig, Große (9/5), Schneider (2), Danowski (3), Kovanovic (2)
Spielfilm: 1:2 (3.), 5:3 (6.), 10:4 (14.), 12:7 (16.), 13:9 (21.), 16:11 (28.), 17:13 (HZ); 17:15 (31.), 19:15 (32.), 23:18 (39.), 23:20 (42.), 27:20 (45.), 31:21 (49.), 34:23 (54.), 36:26 (58.), 38:26