Spielbericht

Ein Erfolg mit Willen, Moral und Emotionen


Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, seit dem sich das Team von Lokführer Petr Hazl über einen Sieg freuen konnte. Doch endlich nun ist auch in der Saison 2014/2015 der Bann gebrochen. 13 Spieltage lang hat es gedauert, ehe die Pirnaer Ballwerfer einen doppelten Punkterfolg auf ihrem Habenkonto verbuchen konnten - und die Freude darüber war verständlicherweise überschwänglich. Wer will es den sächsischen Eisenbahnern verdenken. Viel zu lang war die Durststrecke der Elbestädter in dieser Saison. Und so war auch das Glücksgefühl ob des wichtigen Erfolges im Kellerduell gegen die HG 85 Köthen ein ganz besonderes. Noch Minuten nach dem Abpfiff honorierte die stimmungsgeladene "Hölle-Ost" den Erfolg der Pirnaer mit stehenden Ovationen. Die Last, die von den Schultern der Spieler nach der Schlusssirene abfiel, war deutlich spürbar. So fasste auch der nach seiner auskurierten Grippe wieder auf das Spielfeld zurückgekehrte Steffan Helbig die Partie kurz und knapp zusammen: "Ich bin jetzt erstmal richtig platt. Und wenn dies der Lohn für die harte Arbeit ist, dann nehm ich das freilich gern in Kauf", gab der Abwehrrecke mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

Dass der erste Lok-Saisonerfolg jedoch Kraft und Nerven gekostet hatte, zeigte nicht zuletzt der Spielverlauf über fast die gesamte Dauer der Partie. Da nämlich schenkten sich beide Kontrahenten nichts und grasten jeden Zentimeter Hallenparkett auf der Suche nach dem Erfolgserlebnis um. Weder das Team von Petr Hazl, noch die Mannschaft von HG-Spielertrainer Steffen Fischer konnte sich in 58 von den insgesamt 60 Zeigerumdrehungen auf mehr als zwei Treffer von ihrem Widersacher absetzen. Als es dann doch das erste Mal in dieser Partie soweit war, war es die Handballspielvereinigung Lok Pirna Dresden, welche sich beim Stand von 27:24 entscheidend in Front warf und auf die Sieggerade einbog. Diesem Schlussspurt mit gehörig Dampf im Kessel ging jedoch ein hauchdünne Ein-Tore-Führung der Gäste voraus, die es in den letzten zehn Minuten ihrerseits versäumten, für eine vermeintliche Vorentscheidung zu sorgen. Und auch in der heißen Schlussphase hat man gesehen, wie nah beieinander Freud und Leid, Glück und Unglück liegen können. Während die einen die Harzkugel ans Gebälk nageln, findet sie beim anderen den Weg in die Maschen. Und so war es diesmal den Elbestädtern vergönnt, das bessere Ende für sich zu verbuchen. Acht Minuten vor Ultimo und der besagten 23:24-Führung für Köthen nahm Hazl seine Jungs beim vorletzten Team-Time-Out noch einmal zusammen und schwor sie für die noch verbleibende Spielzeit ein. Und als sollte es ein Hallo-Wach-Effekt für die Sächsischen Eisenbahner sein, nahmen diese in der Folge das Herz und ihr Schicksal in die Hand und sorgten mit vier Toren in Folge für die Entscheidung und einen am Ende umjubelten Sieg.

"Unser Spiel war heute natürlich nicht fehlerfrei" gab Coach Petr Hazl zu, "aber wir haben in den wichtigen Momenten die richtigen Entscheidungen getroffen." In der Tat war es so, dass wir heute auch einmal die ganz einfachen Tore gemacht haben - Ball nehmen und einnetzen, das ist das, was uns in den vergangenen Spielen gefehlt hat, wenn man bedenkt, wie oft und lange wir manchmal für einzelne Tore kämpfen mussten", gab Geschäftsführer Uwe Heller seiner Erleichterung Ausdruck. Sowie auch die Gäste aus Sachsen-Anhalt auf einen Teil ihres Stammpersonals verzichten mussten, mussten die Hazl-Buben ohne Dušan Miličević auskommen, der sich in der Anfangsphase der Partie verletzte. Auch Torhüter Nick Weber, der bis zum letzten Training alles versuchte, um gegen sein ehemaligen Verein mit auf der Platte stehen zu können, schlugen fehl. Doch für ihn sprangen Carsten Schmidt und Tyll Schmidtke in die Bresche und klauten der HG gemeinsam mit der Lok-Abwehr den ein oder anderen sicher geglaubten Treffer. Und so war es am Ende von sechzig kampfbetonten, spannenden und stimmungsvollen Handballminuten vor allem ein Erfolg als Team, den die Pirnaer Ballwerfer in den Zielbahnhof einfuhren. Endlich wieder durfte die "Hölle-Ost" ihrem Namen alle Ehre machen.

"Für uns war das ein riesiger Erfolg für den Moment und den hat sich die Mannschaft auch verdient", lobten Heller und Hazl die Lok-Buben nach dem ersten Saison-Doppelpunktgewinn. "Aber wir schauen auch über den Tellerrand hinaus und wissen, dass dies nur der erste Schritt in die richtige Richtung gewesen ist", geben beide zu bedenken. Neben der Verletzung von Dušan Miličević bleibt der einzige Wehrmutstropfen, dass die Lok, trotz des so wichtigen ersten Sieges, noch auf dem letzten Platz des Tableaus rangiert, da auch der Northeimer HC die Punkte drei und vier auf dem Pluspunktekonto verbuchte und gegenüber den Elbestädtern das bessere Torverhältnis hat. Doch endlich kommt mehr und mehr Bewegung in den Tabellenkeller. Grund genug für Helbig, Schneider und Co. den ersehnten Sieg als Motivationsschub für die kommenden Aufgaben und den Endspurt der ersten Halbserie der Dritten Liga-Ost mit auf die Reise zu nehmen. Schon am kommenden Samstag nämlich haben die sächsischen Eisenbahner das nächste Ost-Duell vor der Brust. Zu Gast in der Pirnaer Sonnenstein-Arena sind dann die Beavers vom Dessau-Roßlauer HV 06, die gegenwärtig so etwas wie das Team der Stunde sind. Mit dem neuen Coach Uwe Jungandreas hat sich der DRHV dort hin katapultiert, wo es auch für die Lok noch hingehen soll - Heraus aus dem Tabellenkeller.

HSV LOK: Schmidt, Schmidtke, Brecko (4), Möbius (4), Havlat (1), Bouček (1), Miličević, Helbig, Große (6/4), Schneider (6), Danowski (3), Kovanovic (3)
Spielfilm: 0:1 (3.), 3:5 (8.), 6:5 (12.), 9:7 (15.), 10:12 (26.), 12:12 (29.), 13:13 (HZ); 13:14 (33.), 16:16 (36.), 17:19 (39.), 20:20 (43.), 22:21 (47.), 23:24 (52.), 27:24 (59.), 28:26