Spielbericht

Die "Hölle-Ost" bebt wieder


Es war fast ein Abziehbild der Partie gegen Köthen und auch das Ergebnis stimmte. Mit 28:26 zwangen die tapferen Hazl-Buben nach 60 intensiven und knackigen Handballminuten die Beavers aus Dessau-Roßlau sprichwörtlich in die Knie und bejubelten damit den zweiten Erfolg in Serie. Und endlich brannte auch das Feuer in der Hölle-Ost - Emotionen und Leidenschaft, sowohl auf der Platte, als auch auf den gut gefüllten Rängen waren die Zutaten für einen aus Lok-Sicht vielleicht nicht mehr möglich geglaubten, aber am Ende umso ausgelassener gefeierten Heimerfolg.

Die Vorzeichen für einen erfolgreichen Ausgang gegen die seit vier Partien ungeschlagenen Bauhausstädter standen, wie auch schon gegen Köthen, mehr als schlecht. Dušan Miličević und Jiří Brecko fielen verletzt bzw. erkrankt aus und so rauchten bei Lok-Führer Petr Hazl und Geschäftsführer Uwe Heller bereits im Verlaufe der Woche die Köpfe auf der Suche nach einem Masterplan, der den sächsischen Eisenbahnern trotz aller Widrigkeiten die Punkte fünf und sechs auf dem Haben-Konto bescheren sollte. So ein wenig erinnert auch die aktuelle Phase der Saison an jene Durststrecke der vergangenen Spielzeit, welche Torsten Schneider und Co. mit dem Rücken zur Wand stehend und allen Unkenrufen trotzend letztlich meisterten. Und so war auch Coach Hazl gegen Dessau erneut zum Improvisieren gezwungen.

Eine Viertelstunde lang ging das Konzept gegen den Tabellen-Neunten auf. Sehenswert heraus gespielte Tore und das Warten auf die richtige Gelegenheit im Abschluss brachten den Hausherren bis zur 16. Spielminute eine 10:8-Führung. Dann jedoch übernahm das Team von DRHV-Trainerfuchs Uwe Jungandreas mehr und mehr das Zepter und drückte mit kompromissloser Abwehrarbeit und schnellen Konter-Toren dem Spiel den Beavers-Stempel auf. Bei den Gästen war in dieser Phase besonders Tomás Pavliček von Rechts-Außen erfolgreich, der am Ende der Partie mit zwölf Treffern bester Werfer seiner Farben sein sollte.

Die Pirnaer Ballwerfer glichen in Minute 21 das letzte Mal aus (11:11), bevor der DRHV bis zum Schellen der Pausensirene seinen Vorsprung auf vier Treffer ausbaute (13:17). Eine Vier-Tore-Führung und das Momentum auf der Seite der Gäste - die Zeichen standen schlecht für einen positiven Ausgang der Partie für die Jungs von Petr Hazl. Im zweiten Durchgang konnten Bauhausstädter ihren Vorsprung noch etwas mehr als sechs Minuten verteidigen, ehe auch bei den Eisenbahnern der Kessel richtig unter Dampf stand. Die Umstellung in der Abwehr und die konzentrierte Arbeit im Pirnaer Deckungsverbund waren nun das Mittel, an dem sich die Beavers nach und nach die Zähne ausbeißen sollten. So warfen Jiří Bouček, Christian Möbius, Vladan Kovanovic und der am Ende beste Schütze im Lok-Dress Philipp Große in weniger als zehn Zeigerumdrehungen aus einem 15:19-Rückstand eine 21:20-Führung heraus (46.). Und zwischen den Pfosten des Pirnaer Gehäuses stand mit Tyll Schmidtke einer, den die Gäste überhaupt nicht auf dem Zettel hatten. In der Sonnenstein-Arena herrschte ab sofort Gänsehautstimmung und selbst in diesem Augenblick war der Höhepunkt der Begeisterung noch längst nicht erreicht. Nach dem 25:23 durch den ehemaligen Dessauer Martin Danowski, der seine Tore besonders emotional feierte, legte DRHV-Coach Jungandreas entnervt den grünen Karton auf den Tisch des Schiedsgerichtes. Die kurze Verschnaufpause für seine Mannen zeigte Wirkung und die Dessauer konnten den Vorsprung der Gastgeber abermals egalisieren (25:25, 56.). Doch es sollte das letzte Mal sein, dass die Beavers mit den Eisenbahnern gleich zogen. Die HSV-Abwehr rührte in der Schlussphase noch einmal kräftig Beton an, Tyll Schmidtke vernagelte sein Gehäuse und so konnten die letzten Bemühungen der Bauhausstädter, den erneuten Rückstand zu drehen, im Keim erstickt werden. Letztendlich blieb es Spielmacher Jiří Bouček vorbehalten, mit der Schluss-Sirene den 28. Lok-Treffer zu markieren und den Deckel endgültig auf die Partie zu machen. Der Rest ging im Stimmungs-Tollhaus Sonnenstein-Arena unter. Selbst die "Entgleisungen" einiger sogenannter Fans des Dessau-Rosslauer HV, die mit ihrem Verhalten die Leistung ihres Teams in jeglicher Hinsicht absolut unwürdig quittierten und denen auch an dieser Stelle keine Plattform für solch eine Art der Unterstützung gegeben werden soll, konnten die Stimmung und Atmosphäre in der "Hölle-Ost" nicht trüben.

"Dass wir nach diesem Spielverlauf noch einmal so zurück kommen würden und letztlich einen Erfolg feiern konnten ist unglaublich", freute sich Toto Schneider nach der Partie bis über beide Ohren. Auch Franz Meinelt, der für die Partie gegen Dessau aus dem zweiten Team der Handballspielvereinigung zum Hazl-Ensemble stieß und seine Einsatzzeit auf Links-Außen bekam, krönte sein Engagement mit einem eminent wichtigen Treffer in der Schlussphase. Trainer Hazl nahm die Glückwünsche seines Gegenübers Uwe Jungandreas gerne an, wollte jedoch keinen einzelnen seiner Schützlinge ob der gebrachten Leistung heraus heben: "Das war ein Erfolg, den wir uns als Mannschaft mit viel Schweiß und bärenstarkem Willen hart erkämpft haben." "Seltsamerweise machen wir die besten Spiele, wenn wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Dass wir uns aus dieser Durststrecke mit zwei tollen Erfolgen erst einmal herausgezogen und diese Spiele als Team für uns entscheiden haben, macht mich dabei besonders froh", gab sich der beste Lok-Torschütze Philipp Große erleichtert nach dem Abpfiff.

In der Tat - die Signale leuchten für den HSV Lok seit langer Zeit nicht automatisch grün. Aber die Pirnaer Ballwerfer haben es geschafft, selbst für das Stellen der Weichen zu sorgen. Mit sechs Zählern auf dem Pluspunkte-Konto sind die Elbestädter zwar noch längst nicht aller Sorgen ledig, aber die Richtung in die es gehen soll stimmt. Am kommenden Wochenende bestreiten die Hazl-Buben das letzte Spiel der Vorrunde. Zu Gast sind Steffan Helbig und Co. dann beim Aufsteiger aus Northeim. Für einen versöhnlichen Jahresabschluss auf dem Handball-Parkett der Sonnenstein-Arena haben die Schützlinge von Petr Hazl gesorgt. Dabei soll das große Plakat der Mannschaft, die sich für die tolle Unterstützung bei Ihren Fans bedankten, nicht unerwähnt bleiben. Ein Sieg auf fremden Hallenboden würde die zwei Heimerfolge der Lok-Mannen perfekt abrunden und so gibt es vielleicht auch am dritten Advent eine Kerze für einen Erfolg anzuzünden...

HSV Lok: Weber, Schmidt, Schmidtke, Möbius (3), Meinelt (1), Havlat (1), Bouček (4), Helbig, Große (9/5), Schneider (2), Danowski (3), Kovanovic (5)
Spielfilm: 2:0 (3.), 2:3 (6.), 5:5 (9.), 8:8 (14.), 10:8 (16.), 10:11 (20.), 11:14 (24.), 13:17 HZ); 14:17 (33.), 15:19 (37.)18:19 (39.), 21:20 (46.), 22:22 (48.), 24:22 (52.), 25:23 (53.), 25:25 (59.), 27:26 (60.), 28:26